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Bäume wachsen – aber …

Forstliche Produktion im Lichte des Klimawandels

… nicht mehr überall

Zimmeck © DI Andreas Fischergrößer Glaubt man den projizierten Szenarios vom Privat-Forstrat Wolfram Zimmeck, Beauftragter des Deutschen Forstvereins für den Klimawandel, so werden vor allem steigende Temperaturen und eine sich ändernde Niederschlagsverteilung den heimischen Wäldern zukünftig stark zu schaffen machen. „Fichte wird in jedem Fall weiter an Vitalität und in ihrer Flächenausdehnung verlieren.“ Aufhorchen ließ er auch mit der These, dass sich die Mittelhöhenbonitäten bei der Fichte aufgrund klimatisch günstiger Rahmenbedingungen sogar sehr deutlich erhöhen könnten. Bedingt durch den Klimawandel gehen jedoch auch höhere Schadholzmengen durch Kalamitäten (Sturm, Käfer, Pilze usw.) mit dieser Entwicklung einher. Laubbaumarten wie Buche, Eiche und Bergahorn werden sich auf diese Bedingungen am besten einstellen können. Neu entwickeln werden sich mit der Zeit auch so genannte „adaptierte Trockenwälder“.


Branche braucht Nadelholz

Besucher © DI Andreas Fischergrößer Ing. Stefan Kulterer stellte als Sägewerksprecher klar, dass Nadelholz auch in Zukunft dringend gebraucht wird. „Die Bauphysik stellt Anforderungen an uns, die nicht einfach durch schweres Laubholz mit ganz anderen Werkstoffeigenschaften ersetzt werden können“, lautete seine Quintessenz. Die Technik und der Markt sprechen eine andere Sprache“, gab auch Dr. Dieter Kainz, proHolz Austria, zu bedenken. Seitens der Forstwirtschaft pflichtete DI Felix Montecuccoli, Präsident Land&Forst Betriebe Österreich, bei, dass reine Laubholzbetriebe derzeit ohnehin schon schwer genug im wirtschaftlichen Alltag zu kämpfen hätten. Waldbaulich werde derzeit nicht nur Laubholz forciert, sondern Mischwald, wo in seinem Betrieb auch die Douglasie eine willkommene Alternative zur Erhöhung der Stabilität des Waldes sei. Zusätzlich forderte er auch die Wissenschaft auf, Forstgenetik-Programme für das Überleben der „Nadel-Brotbäume“ voranzutreiben. Versorgungsprobleme der ganz anderen Art ortete DI Herbert Grill, Lenzing. Importe für die Zellulose- und Papierindustrie stiegen deshalb in jüngster Zeit wieder massiv (2010er-Prognose: 35%) an. Etwa 2 Mio.fm des Inlandaufkommens von Sägenebenprodukten seien an die energetische Nutzung verloren gegangen, nochmals 1 Mio.fm an den Export. Komm.-Rat DI Franz Tauber, Austropapier, erachtete diese Importquote für die Branche mittelfristig als „unüberbrückbar hoch“. Biomasse- und Energieexperte DI Kasimir Nemestothy warnte neben der Rohstoffkonkurrenz insbesondere vor dem wachsenden Risiko von Mengen- und Preisfluktationen durch häufiger werdende Kalamitäts- und Katastrophennutzungen. „Langfristig muss man aus diesem Blickwinkel vielmehr über eine Absenkung des Nachhaltigkeitshiebsatzes nachdenken. Ein steigender Laubholzanteil werde jedenfalls die Energieholzquote weiter erhöhen und auch zu einer Verschiebung der spezifischen Erntekosten führen, lautete sein Fazit. Mittel- und langfristig werde man nicht herumkommen die Kostenwahrheit von Energieträger-Vergleichsrechnungen vor die kurzfristige Kosteneffizienz zu stellen. „Zudem ist es dringend notwendig, dem steigenden Energieverbrauch Einhalt zu gebieten und regional zu denken“, forderte Dr. Horst Jauschnegg, Biomasseverband Österreich. Die unterschiedlichen (widersprüchlichen) Interessen von Wirtschaft, Klima- und Naturschutz sind ein eigenes Kapitel, das es mit Weitblick EU-weit zu koordinieren gilt, kommentierte SC DI Gerhard Mannsberger abschließend.


Autor: DI Andreas Fischer
26.08.2010, 20:38 MEZ

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