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Klagenfurter Forst- und Holzimpulse

„Kommt das Laubholz wirklich? – Wir fragen nach!“

Zum Auftakt der Internationalen Holzmesse in Klagenfurt diskutierten namhafte Branchenvertreter aus dem In- und Ausland die Zukunft des Laubholzes. „Unser Ziel ist es, mit dieser Veranstaltung weitere Diskussionsprozesse in der Wertschöpfungskette Forst & Holz zu initiieren“, eröffnete DI Martin Nöbauer, Lebensministerium, Sektion Forst, am 30. August. Rund 25% des österreichischen Ertragswaldes seien mit Laubholz bestockt. Laut Österreichischer Waldinventur (ÖWI) gewinne Laubholz zunehmend an Vorrat und Fläche.


20 Jahre Natura 2000 hilft auch Laubholz

„Natura 2000 ist das weltweit größte zusammenhängende Schutzgebietsnetzwerk“, zog Stefan Leitner, Naturschutzreferent der Europäischen Kommission, Bilanz. Fast 27.000 Gebiete wurden bisher ausgewiesen. Knapp über 50% der FHH-Gebiete sind mit Wald bedeckt. Rund 22% der Waldfläche in der EU sind als Natura 2000 ausgewiesen.

Bestimmte Anforderungen an die Baumarten- und Strukturvielfalt, z.B. Umwandlung von Nadelholz- in Laub- oder Mischbestände, Waldränder, Altholzinseln, Mindestanzahl an Totholzbäumen begünstigen die Entwicklung eines steigenden Laub- und Starkholzanteils. „In den meisten Natura 2000-Gebieten kann und soll die bestehende Bewirtschaftung weitergehen“, betonte er vehemment.

Einem Modell nach WWF, das auf der einen Seite Wildnisgebiete ausweist und auf der anderen Seite Plantagenwirtschaft in Kauf nimmt, kann er persönlich nichts abgewinnen.


Nadelholzmanagement kostet in Zukunft mehr

Eine wesentliche Beeinflussung des Waldbildes stellen schon heute klimatische Veränderungen für die Forst- und Holzwirtschaft dar. Wie Dr. Peter Mayer, Direktor des Bundesamtes für Wald (BFW) verwies, haben sich die CO2-Emissionen seit den 1960er-Jahren weltweit verdreifacht. Niederschlag und Temperatur zählen zu den wichtigsten Einflussfaktoren für die Waldentwicklung. „Während Buche, Lärche und Fichte zukünftig in höheren Lagen ihr Auskommen finden werden, gehört die Eiche zu den Profiteuren eines wärmer werdenden Klimas in den Tieflagen“, schilderte Mayer.

Wissenschaftler seien sich mittlerweile einig, dass es bis zum Ende des Jahrhunderts an vielen Standorten im Jahresmittel um bis zu 4° C wärmer sein wird als heute. „Es wird daher ein höherer Aufwand für die Erhaltung, der zu bewirtschafteten Nadelholzarten notwendig sein“, stellte Mayer klar. Als vorausschauende Maßnahmen empfiehlt er Naturverjüngung zu fördern, den rechtzeitigen Unterbau mit fehlenden Baumarten und einen hierfür tragbaren Wildstand.


Buchenblochholz hat Brennholzwert

Aus der Praxis referierte FD DI Hubertus Kimmel, Forstbetrieb Stift Klosterneuburg. Er verantwortet als Forstdirektor 8.050 ha (mit ca. 7% Schutzwaldanteil). Fichte und Tanne stellen mit 31% die wichtigsten Holzarten in der Baumartenverteilung dar. „Laut unserer Inventur haben die Laubbäume im vergangenen Dezennium um rund 6% auf 58% der Waldfläche zugenommen. Mit Blick auf die langen Entwicklungszeiträume der Wälder mit durchschnittlich bis zu 120 Jahren ist das in nur 10 Jahren eine starke Veränderung“, hielt er fest.

Der rückläufige Trend der Fichte werde begünstigt durch zunehmende Kalamitäten und Trockenschäden. Nach Kyrill entschied sich die Wirtschaftsführung den Großteil der Windwurfflächen mit einem höheren Laubholzanteil (rund 30%) zu bestocken. „Hochwertiges Buchenblochholz kann aufgrund fehlender Märkte nur als Brenn- und Faserholz abgesetzt werden“, betonte der Forstdirektor. „Ein nachhaltig wirtschaftender Nadelholzbetrieb erzielt mit Fichte einen DB 3 von 162 €/ha. Im Vergleich dazu muss ein Laubholzbetrieb mit nur 19 €/ha (Umsatzrendite von 7%, Kapitalrendite von 0,2%) auskommen. Die Nadelholzwirtschaft ist für die Praxis daher ein realistische, reine Laubholzwirtschaft eine ambitionierte Vision“, hielt er fest.

Für die Holzwirtschaft sei es wichtig, Optimierungen im Einschnitt zu treffen und neue Absatzmöglichkeiten (z.B. Hartholzleimbinder) zu entwickeln. Falsche Anreize durch Förderungen sollten gestoppt werden. Derzeit werde das Hauptaugenmerk auf ökologische Kriterien gerichtet, wirtschaftliche kommen zu kurz.


Wahrnehmung ändern, mit marktfreundlichen Produkten punkten

Den Laubholzsektor analysierten die Laubholzsäger Ralf Pollmeier, Pollmeier Massivholz GmbH, und Karl Polz, European Hardwood Production GmbH. „Es gibt derzeit deutlich zu viel Angebot, deswegen sind die Rundholzpreise niedrig“, kommentierte Pollmeier. „Uns ist die Wahrnehmung verloren gegangen. Erst, wenn der Opa stirbt und er in wertvolle Eiche eingepackt werden muss, erinnern wir uns daran, dass es auch noch Laubholz gibt“, brachte es Polz auf den Punkt.

Zu den großen Laubschnittholzerzeugern in der EU zählt Polz vor allem Rumänien, Frankreich und Deutschland. „Buchenblochholz (franko Säge) kostet derzeit in Rumänien, aber auch Kroatien oder Serbien, weniger als Brennholz in Wien, so können wir nicht arbeiten“, ergänzte Polz. Prof. Dr. Branko Glavonjic, Fakultät Forst der Universität Belgrad, zeichnete mit knapp 3400 Laubholz verarbeiteten Betrieben und 20.000 Beschäftigten in Südosteuropa einen exportfreudigen Markt. 2011 wurde 62,1% der Laubschnittholzproduktion (1,66 Mio. m³) ins Ausland geliefert. Die Top10-Betriebe erzeugen etwa 60% der Gesamtproduktion.

Nach der Verdrängung der Laubholzprodukte durch neue Holzwerkstoffe (wie MDF, Spanplatte, Leisten usw.) in den vergangenen Jahrzehnten ist es den Laubholzverarbeitern nicht mehr gelungen alternative Produkte zu finden. Pollmeier sieht für das Laubholz dennoch gute Chancen. So plant er ein Werk zur Produktion von LVL aus Buche, wo in der ersten Phase aus Furnierschichtholz (3,5 mm) Leimbinder, Dachbalken, Platten usw. gefertigt werden sollen. Die Verarbeitungskapazität bezifferte er anfangs zwischen 120.000 bis 150.000 m³ Fertigmaterial. Er spricht sich für leistbare und preiswertere Produkte aus. Polz kündigte an, dass in Wien in Kürze eine Steuerungsgruppe, die Arbeit aufnehmen wird, um Absatzmöglichkeiten für Laubholz auszuloten und zu suchen.

„Für Pollmeiers Produkt braucht man ein großes Equipment und große Produktionsstätten. Unsere kleineren Säger können das nicht. Es würde ihnen viel mehr helfen, wenn sie 20 mm Laubschnittholz, für die Verleimung von standardisierten Trägern verarbeiten könnten", konkretisierte Polz. Auch für die Eisenbahnschwelle, für die ab 2017 die jetzige Imprägnierung verboten sei, wären neue Mittel auf biologischer Basis gefragt, forderte Polz.

Wichtig ist es für ihn auch die Ausbeute bei der Laubholzverarbeitung zu erhöhen. „Die Chinesen schaffen heute 68%, wir bringen aufgrund unserer Technik nicht mehr als 48% zusammen“, kritisierte Polz. „Buchenleimbinder kosten heute dreimal so viel wie jene aus Fichte. Gelingt es durch effiziente Fertigung den Produktpreis zu reduzieren, werde sich auch ein großer Markt hierfür eröffnen“, ist Pollmeier überzeugt.

Wenn man sich besser koordiniert, die Produktentwicklung klug betreibt und die bereits vorhandenen Schätze der Forschung und Wissenschaft entdeckt und auch umsetzt, dann sieht er einer guten Zukunft von Laubholz entgegen.

„Wir müssen oben beim Markt ansetzen und dafür die richtigen Produkte fertigen. Wenn du "IN" sein willst, brauchst du Laubholz in der "Bude". Das gilt es umzusetzen“, formulierte es Polz.

Die Vortragspräsentationen finden Sie auf www.kaerntnermessen.at/messe/6831.php


Autor: DI Andreas Fischer (berichtet aus Klagenfurt)
31.08.2012, 11:38 MEZ

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