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Qualitätsmerkmale (Astigkeit) der Zirbe in Abhängigkeit von Bestandesalter und –struktur

von Dipl.-Ing. Magdalena Langmaier

Trotz des geringen Vorkommens der Zirbe in Österreich (0,5 % Ertragswald) kann Zirbenholz für Forstbetriebe ein erfolgreiches Nischenprodukt sein. Vor allem für Fur-nierholz der Zirbe werden beachtliche Preise (320 €/fm) bezahlt. Die wichtigsten Merkmale beim Furnierholz der Zirbe sind laut österreichischen Holzhandelsusancen: „Vollholzige, gesundastige Stücke mit gleichmäßigen Astbild ohne Durchfalläste, mit geringem Splintanteil ab D 2b, Astdurchmesser bis 10 % des Mittendurchmessers zulässig. Längen von 2,5 bis 5,0 m in 50 cm Schritten mit einem Übermaß von 10 cm“ Bei der Zirbe ist also ein gleichmäßig, astiges Stammholz für die Qualifizierung als Wertholz von Bedeutung. Aufgrund des hohen Wertschöpfungspotenzials bei der Zirbenbewirtschaftung besteht vonseiten der Waldbewirtschafter ein großes Interesse an einer zielorientierten Einzelbaum- und Bestandesbehandlung in Reinbeständen und Mischbeständen mit Fichte und/oder Lärche. Deshalb war das Hauptziel der Arbeit die waldbaulichen Kenntnisse über eine ziel-orientierte Bewirtschaftung von Zirbenbeständen zur Erreichung eines hohen Fur-nieranteiles zu verbessern. Dies sollte durch folgende Teilziele erreicht werden: I)         Beschreibung der natürlichen Astreinigung anhand unterschiedlich alter Zir-benbeständen II)        Analyse der Ästigkeitsstruktur und Qualität der Astreinigung III)      Beschreibung und Analyse der Ästigkeit und Astentwicklung bei intra- und in-terspezifischer Konkurrenz IV)      Analyse von Einzelbaummerkmalen  


Untersuchungsmaterial und –methode

Die Aufnahmen wurden im Gebiet der Fürstlich Schwarzenberg´schen Forstdirektion Murau im Revier Paal - Prankerseite durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet liegt in der südwestlichen Obersteiermark im Bezirk Murau. Das Gebiet befindet sich im Wuchsgebiet 1.3 Subkontinentale Innenalpen – Ostteil. Im Aufnahmegebiet liegt das zentrale Verbreitungsgebiet von Fichte, Lärche und Zirbe. Mittels der Aufnahmen sollte das Wuchsverhalten und die Astigkeitsentwicklung in verschiedenen Entwicklungsphasen (Jungwuchs/Dickung, Stangenholz und Baumholz) erfasst werden. Zur objektiven Auswahl der Probebäume (Zentralstämme; mindestens mitherrschend) wurde das bestehende Stichprobennetz herangezogen. Diese Rasterpunkte stellten die Eckpunkte der einzelnen Probeflächen dar. Innerhalb dieser Probeflächen wurde ein Verdichtungsraster (61,25 m x 61,25 m) angelegt. Bei diesen Punkten wurde die nächstgelegenste Zirbe, welche nicht schlechter als Kraft´sche Baum-klasse 3 sein durfte, ausgewählt. Diese Zirbe stellte den Probekreismittelpunkt dar und ist folglich der Zentralstamm der Aufnahmen. Es wurden 99 Zirben-Zentralbäume in 41 Jungwuchs-, 16 Stangenholz- und 42 Baumholzflächen ausgewählt.


Abbildung1_Langmaier.jpg © Langmaiergrößer

Probebaum (Zentralstamm)

Bei den Zirben-Zentralbäumen wurden allgemeine Parameter, wie Brusthöhen-durchmesser, Höhe, Kronenansatz, Alter (gebohrt) und Schäden, Astigkeitsparameter sowie acht Kronenradien erhoben. Bei den Astigkeitsparametern wurden die ersten zwei Meter des Stammes in vier 0,5 m - Abschnitte gegliedert. In jedem Stammabschnitt wurden folgende Merkmale der drei stärksten Äste aufge-nommen: Astbasis in cm; Länge des Astes in m, Exposition des Astes mittels Bussole; lebend (Grünast) oder Totast. Bei abgestorbenen Ästen wurde die Länge nicht gemessen. Zusätzlich wurden im ersten Meter des Stammes (Stammabschnitt 12) alle lebenden wie auch toten Äste gezählt.


Konkurrenz

Um den Konkurrenzdruck auf den Zentralstamm zu analysieren, wurden fixe Probe-kreise aufgenommen. Bei den Probepunkten mit der Entwicklungsphase Jung-wuchs/Dickung wurde ein fixer Probekreis mit einem Radius von 2,5 m (19,6 m²) angelegt. Bei den Probepunkten mit der Entwicklungsphase Stangenholz beziehungsweise Baumholz wurde ein fixer Probekreis mit einem Radius von 5 m (78,5 m²) angelegt. Innerhalb dieses Radius wurde jeder Baum sowie folgende Parameter aufgenommen: Baumart, Exposition, Distanz vom Zentralstamm zum Baum, der Brusthöhendurchmesser, Höhe, der Kronenansatz, Kraft´sche Baumklasse sowie etwaige Schäden.


Abbildung2_Langmaier.jpg © Langmaiergrößer

Ergebnisse

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, konnte ein enger Zusammenhang zwischen Astlänge zu Astbasisdurchmesser gefunden werden. (Grundlage: 511 lebende Äste; Funktion: Astlänge[cm]=0,198+49,0*Astbasisdurchmesser[cm]). Das Verhältnis von Astlänge zu Astbasisdurchmesser für die ersten zwei Meter Stammhöhe lässt sich vereinfacht bei der Zirbe mit 50:1 schätzen. Das ergibt bei einem Astbasisdurchmesser von 2 cm eine Astlänge von 1 m. Deskriptiv und rechnerisch konnte festgestellt werden, dass ein Zusammenhang zwi-schen Astigkeitsmerkmale, der Bestandesdichte und Konkurrenz besteht. Bei Ver-wendung des Konkurrenzindex nach Hegyi konnte festgestellt werden, dass mit geringer werdender Konkurrenz der Astbasisdurchmesser der Zirbe zunimmt. Jedoch konnte kein Zusammenhang festgestellt werden, ob intraspezifische (Zir-Zir) oder interspezifische (Zir-Lä; Zir-Fi) Konkurrenz mehr ein Einfluss auf die Aststärke hat. Ab einem Brusthöhendurchmesser von 10 cm beginnt das Absterben der Äste und somit die Verschiebung des potenziellen Wertholzbloches nach oben.


Abbildung3_1_Langmaier.jpg © Langmaiergrößer

Schlussfolgerungen – Empfehlungen

Um ein gleichmäßige Astbild bis in den erntereifen Bestand zu erhalten, ist es bereits in der Jungwuchs- beziehungsweise Bestandesbegründungsphase wichtig, auf einen optimalen Standraum der Zirbe zu achten. Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.2 zeigt, wie sich bei Dichtstand die Grünastzone vom Jungwuchs bis in das Baumholz entwickelt. An dieser Abbildung ist klar zu erkennen, dass es für Zirben-Wertholzproduktion unabdinglich ist, die Zirbe waldbaulich richtig zu behandeln und die Grünastzone zu senken beziehungsweise darauf zu achten, dass ein zielorientiertes Astbild gegeben ist.


Im rechten Teil ist ersichtlich, dass bei der Zirbe mit der derzeitigen Behandlung das Wertholzbloch nicht das Erdholzbloch beziehungsweise erste Bloch ist, sondern eher erst in der Hälfte des Baumstammes zu erwarten ist. Ein weiteres Problem, dass dadurch aber auftritt ist, dass die Zirbe oft Zwiesel ausbildet und dadurch oft kein Wertholzbloch zur Ausformung zur Verfügung steht. Das Erdbloch kann dann meist nur als Sägeholz verkauft werden.   (Abb. Zirbe – Wertbloch)   Der linke Teil der Abbildung zeigt einen nach unten verschobenen Anteil des Wert-bloches.   Der Vorteil davon wäre, dass trotz Zwieselbildung ein Wertholzbloch möglich wäre. Des Weiteren könnten geringere Zieldurchmesser definiert und dadurch die Produktionszeit verringert werden. Mit derzeitiger Lage des Wertholzbloches muss der BHD um einiges dicker sein, da nach oben hin der Baum an Durchmesser abnimmt und somit ein gewünschter Zieldurchmesser in höheren Dimensionen nicht mit Sicherheit gewährleistet werden kann. Mit dem derzeitigen Stand des Wissens kann als Empfehlung gegeben werden, die Grünastzone der Zirbe solange und soweit wie möglich bodennah zu halten, um einen möglichst hohen Anteil an Furnierqualität zu erhalten. Da es das Ziel dieser Arbeit war, ein waldbauliches Behandlungskonzept für Zirbe zu entwickeln, welches es ermöglicht das Qualitätsmerkmal Astigkeit zu steuern, wurden verschiedenen Konzepte diskutiert. Für diese Konzepte wurde folgendes Ziele für Zirben-Wertholz formuliert:
• BHD 50 cm in Rinde (BHD 45 cm ohne Rinde)
• in 2,50 m Stammhöhe Mittendurchmesser ohne Rinde von 40 cm
• Blochlänge mindestens 2,60 m (2,50 m + 10 cm Übermaß)
• Astbasisdurchmesser höchstens 4 cm
• regelmäßiges Astbild mit Grünästen
Tabelle 1 beschreibt anhand der vorliegenden Kenntnisse beispielhaft ein Behand-lungskonzept für einen künstlich begründeten Fi-Lä-Zi-Mischbestand. Ausgehend von 4.500 Pflanzen pro Hektar bei der Bestandesbegründung soll durch zeitgerechte Durchforstungseingriffe (Stammzahlreduktion, Mischungsregulierung) der wertvolle Nutzholzanteil (Furnierholz) optimiert werden.  
Tabelle 1:
Behandlungskonzept für Zirben-Lärchen-Fichtenwald im Quadratverband 1,5 m x 1,5 m  
Beispiel: Konzept Quadratverband - (5 Zirbe, 3 Lärche, 2 Fichte)
Bestandesbegründung: Verband 1,5 m x 1,5 m 4500 Stück Pflanzen pro Hektar (2250 Zirben, 1350 Lärchen, 900 Fichten)
1. Eingriff: BHD 7-9 (11) cm     Entnahme von 1-2 Bedränger pro Z-Baum
2. Eingriff: BHD 15-19 (21) cm Weitere Entnahme von mindestens 1-2 Bedränger pro Z-Baum  

Endbestand: 320 Bäume [300-350] (200 Zirben, 60 Lärchen, 60 Fichten) (80 % Überschirmung)  
Durch weitere Untersuchungen der Aststruktur und –dynamik auf verschiedenen Standorten und in unterschiedlichen Mischbeständen sowie Solitärbäumen wird eine weitere Verbesserung der Kenntnisse angestrebt.


Autor: Langmaier
09.04.2014, 13:03 MEZ

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