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Die Folge von Rindenverletzungen sind Stammfäule © Nemestothygrößer

Ernteschäden bei Durchforstungseingriffen

Von DI Nikolaus Nemestóthy, FAST Ort

Statt dem erhofften Nutzen bringt die beste Erntetechnik Schäden und Folgeschäden, wenn man sie nicht gekonnt einsetzt und wenn man Planung und Arbeitsvorbereitung vernachlässigt. Wie es richtig geht, weiß Nikolaus Nemestóthy vom Waldforschungszentrum, Fachbereich Forsttechnik in Gmunden.

Grenzwerte für maximal vertretbare Bestandesschäden gibt es in der Literatur nur in Ansätzen. Mayer (1992) legt den Grenzwert mit fünf Prozent der Zukunftsstämme fest. Speziell im stärker geneigten Gelände sind jedoch meist Schäden in deutlich höherem Ausmaß zu erwarten.  

Welche Schäden können auftreten?

•         
Fällungsschäden Abstreifen der Rinde beim Fallen Beschädigung des Wurzelanlaufes beim Aufprall
•          Steinschlagschäden ausgelöst durch Fällung und Rückung
•          Rückeschäden
Oberirdisch: Rinden und Wurzelverletzungen durch Vorbeiziehen
Unterirdisch: Boden- und Wurzelschäden durch Druck
•          Folge: Infektion durch Pilze, Fäule

Ernteschäden entwerten meist den untersten Teil des Stammes der bei Qualitätsholzproduktion bis zu 80 Prozent des Gesamtwertes eines Baumes darstellen kann. Das Schadausmaß hängt von Gelände, Bestandesdichte, Jahreszeit, Ernteverfahren (Stücklänge bei der Rückung), Zuzugsentfernung und wesentlich von der Sorgfalt bei der Ausführung ab.


Bestandesschäden im Steilgelände minimieren

Seilgeräte verdichten beim Durchforsten den Boden im steilen Gelände nicht nennenswert. Schäden entstehen gelegentlich durch Aufreißen und Erosion des Bodens. Je nach Verfahren und Rückerichtung kommt es aber meist zu Bestandesschäden in größerem Ausmaß als bei der Holzernte im befahrbaren Gelände. Um die Schäden in vertretbarem Rahmen zu halten, sollte man nach Möglichkeit im Sortimentverfahren arbeiten. Im Baumverfahren kann man Schäden minimieren, indem man die Bäume nur bergauf aus dem Bestand auszieht. Bei Bergablieferung müssen die Bäume dann in der Rückegasse umgehängt werden.


Durchforsten im befahrbaren Gelände

Bei der Durchforstung im befahrbaren Gelände ist es wirtschaftlich nicht vertretbar, das Befahren gänzlich zu vermeiden oder auf wenige Tage im Jahr zu reduzieren, zum Beispiel wenn der Boden gefroren oder trocken ist. Die einzige Möglichkeit, um flächige Bodenschäden zu vermeiden, ist das Verringern der Befahrung auf Linien mit möglichst geringem Anteil an der Produktionsfläche. Zur Feinerschließung für die vollmechanisierte Holzernte ist ein Gassenabstand von 20 Metern mit einer Gassenbreite von vier Metern üblich. Dies bedeutet einen Flächeneinsatz von 20 Prozent. Bei konsequenter Einhaltung der Gassen auch bei Windwurfaufarbeitung und Kahlhieb bleiben aber 80 Prozent der Fläche frei von jeglicher Befahrung und damit Bodenverdichtung. Bei teilmechanisierter Holzernte und Rückung mit Traktor und Seilwinde sind Rückegassenabstände von 30 bis 40 Metern üblich. Es ist sinnvoll, auch bei teilmechanisierter Holzernte im befahrbaren Gelände den Abstand so zu wählen, dass eine spätere Verdichtung der Gassenabstände für eine vollmechanisierte Holzernte ohne Übererschließung möglich ist.  


Maschinenkenndaten entscheiden über Einsetzbarkeit

Steigfähigkeit, Reichweite, Hubmoment sowie Fäll- und Aufarbeitungsdurchmesser sind für die Eignung für einen bestimmten Einsatz entscheidend. Breite, Gewicht und Fahrwerk entscheiden über die Beeinträchtigung des Bodens. Geringes Gewicht auf möglichst große Kontaktfläche verteilt, wäre für den Boden ideal. Für hohe Leistung und Reichweite braucht die Maschine aber Gewicht, um das entstehende Hubmoment auszugleichen. Einseitige Druckspitzen beim Heben können das Mehrfache des Maschinengewichtes betragen. Räder und Kettenlaufwerke übertragen den Druck auf den Boden. Je größer die Kontaktfläche, desto geringer der Druck je Quadratzentimeter. Die Druckspitze liegt bei Rädern auf Waldböden in der Mitte der Kontaktfläche. Die Druckspitze nimmt mit dem Reifeninnendruck und der Auflast zu (Jacke, Ebel, 2006). Eine Reisigauflage in der Fahrgasse kann einen Beitrag zur Erhaltung der Befahrbarkeit der Rückegassen leisten und Bodenverwundungen verhindern. Ihr Beitrag zur Reduktion des Bodendruckes ist eher gering.


Traktionshilfen können Boden schwer schädigen

Traktionshilfen führen bei ungünstigen Gelände- oder Wetterbedingungen oft zu schweren Bodenschäden. Davon sind auch Bogiebänder nicht auszunehmen. Sie können nur bei guter Bodenbefahrbarkeit die ihnen nachgesagte positive Wirkung durch Vergrößerung der Auflagefläche entfalten. Traktionshilfswinden reduzieren den Radschlupf im steileren Gelände und verringern dadurch das Aufreißen und in Folge die Erosion des Bodens. Aber es geht nicht nur um die Befahrbarkeit. Je geringer die Bodenschäden in der Gasse sind, desto eher können diese angrenzende Bäume auch als Wurzelraum nutzen.  


Seltener Fällungsschäden bei Harvestereinsatz

Fällungsschäden sind bei Harvestereinsatz grundsätzlich weniger häufig als bei motormanueller Schlägerung. Dies liegt an der guten Steuerbarkeit der Fällrichtung mit dem Harvesteraggregat. Schäden entstehen hier vor allem bei der Aufarbeitung durch das schnelle Vorbeiziehen des Baumes am verbleibenden Bestand. Die Häufigkeit der Schäden nimmt mit der Geländeneigung und der Bestandesdichte zu.


Auszeige hat gravierenden Einfluss

Die Auszeige hat einen gravierenden Einfluss auf die Bestandesschäden. Bei einer vergleichenden Studie haben Bort und Pfeuffer (1999) festgestellt, dass bei der Durchforstung mit Harvester mit gut sichtbarer Auszeige der Z-Stämme und der Entnahmestämme mit null bis zwei Prozent die wenigsten Z-Stämme beschädigt wurden. Ohne sichtbare Markierung der Z-Bäume wurden hingegen zehn Prozent beschädigt.


Breite und Verlauf der Rückegasse

Weitere Schäden passieren bei der Rückung durch den Forwarder, wobei neben der Geländeneigung und der Sorgfalt des Fahrers die richtige Breite und der Verlauf der Rückegassen entscheidend sind. Arbeit im steilen Gelände an der Grenze der Machbarkeit führt zu einer überdurchschnittlichen mentalen Belastung des Fahrers und damit verbunden zu einem raschen Absinken der Konzentrationsfähigkeit. Häufigere Pausen können Abhilfe schaffen, sind aber oft aufgrund des Kosten- und Leistungsdruckes nicht möglich. Größere Schäden an Boden und Bestand sind meist die Folge. Erkennbare Oberflächenschäden am Boden sind von der Geländeneigung sowie von der Wassersättigung und der Witterung aber auch von der Ausrüstung der Maschine abhängig. Verdichtungsschäden sind hingegen an der Bodenoberfläche nur sehr eingeschränkt erkennbar. Durch gute Ausbildung der im Erntesystem beschäftigten Arbeitskräfte ebenso wie durch qualitätsorientierte, faire Entlohnung der Arbeit können Bestandes- wie auch Bodenschäden deutlich vermindert werden.


Druckverteilung in der Kontaktfläche eines Breitreifens © Grafik: Jackegrößer

Qualitätssicherung

Nach jedem Einsatz sollten Bestandes- und Bodenschäden, die Sauberkeit des Einsatzes, die Ausformungsqualität, die abfuhrgerechte Sortierung und Lagerung sowie die Termintreue mit dem Ausführenden gemeinsam beurteilt und besprochen werden. Eine laufende Verbesserung der Arbeitsqualität muss das Ziel dieser Begehung und Besprechung sein.


Kurz gefasst

Entscheidend für effiziente und nachhaltige Durchforstung ist/sind
•          die perfekte Arbeitsvorbereitung (Feinerschließung, Auszeige),
•          der Einsatz gut angepasster Verfahren und Maschinen,
•          für den Einsatz von Maschinen geeignetes Gelände und Boden,
•          ein für die Durchforstung reifer Bestand (Oberhöhe, BHD, Bestockungsgrad),
•          qualifizierte Arbeitskräfte,
•          perfekte Einsatzplanung und Logistik,
•          speziell bei Maschineneinsatz im Kleinwald ? Sammel-Holzmengen von mindestens 500, besser 1000 Festmetern mit einer Übersiedlung der Maschinen,
•          ein Qualitätssicherungssystem mit dem Ziel der ständigen Verbesserung der Qualität,
•          faire Entlohnung der Arbeit, da Kostendruck zu Leistungsdruck  und Leistungsdruck zu vermehrten Schäden führt.


Autor: Nemestothy
15.10.2014, 11:47 MEZ

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