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1_-Juli-2014_Mariazeller-Erklärung_Gruppenfoto-Schloss-Hohenbrunn-435x289.jpg © Maierhofergrößer

Zweite Jahresbilanz zur Mariazeller Erklärung des Forst & Jagd-Dialogs

Am 1. August 2012 unterzeichneten hochrangige Repräsentanten der Forstwirtschaft und der Landesjagdverbände Österreichs die Mariazeller Erklärung.

Sie haben sich darin zu ausgewogenen wild- und waldökologischen Verhältnissen und zu einer Trendumkehr der Wildeinflüsse auf den Österreichischen Wald bekannt.

Eckpunkte

Auf folgende Eckpunkte ist der Dialog aufgebaut:
Die Jagd ist untrennbar mit Grund und Boden verbunden – die Jagd wird im Rahmen des unverrückbaren föderalen revierbezogenen Jagdsystems ausgeübt.
Die Bewirtschaftungsrechte und die damit verbundene Verantwortung der Grundeigentümer sind unantastbar. Wildtiere sind integraler Teil der Waldökosysteme. Die Dialogpartner bekennen sich vorbehaltlos zur multifunktionalen Waldwirtschaft mit ausgewogenen Lebensraumbedingungen. ÖWI und WEM liefern dabei Ergebnisse, die außer Streit stehen. Ihre Interpretation und die Vereinbarung adäquater Lösungsstrategien haben gemeinsam mit Augenmaß und Realitätsnähe auf allen Ebenen zu erfolgen. Die Wissenschaft hat dabei – und auch bei weiteren Methodenentwicklungen – entsprechend Hilfestellung zu geben. Die Eigenverantwortung der Jägerschaft ist unbestritten und weiter zu forcieren. Der Ausbildung und Einstellung der österreichischen Jäger im Hinblick auf die Wald-Wild-Zusammenhänge ist weiterhin höchster Stellenwert einzuräumen. Notwendige jagdrechtliche Rahmenbedingungen in den Ländern sind anzustreben und bestmöglich umzusetzen.


Ziele

Die Verjüngung der am Standort typisch vorkommenden Baumarten soll grundsätzlich dem natürlichen Potenzial entsprechend erfolgen können. Die Wildstände sollen derart gestaltet sein, dass Schutzmaßnahmen nicht die Regel, sondern die Ausnahme darstellen. Weitere Verschlechterungen der Wildlebensräume und weitere Beeinträchtigungen des Wildes und seiner Lebensweise durch Dritte sind hintanzuhalten. Die Regulierung der Schalenwildbestände ist die vordringliche Aufgabe der nahen Zukunft. Grundeigentümer und Jagdausübungsberechtigte sind in gleichem Maße aufgerufen, entsprechende Maßnahmen auf allen Ebenen im Rahmen eines ergebnisverbindlichen Dialogs zu setzen, um diese Ziele zu erreichen.   Nach nun zweijähriger Tätigkeit im Rahmen des Forst & Jagd Dialogs ziehen die Dialogteilnehmer folgende Bilanz:


Generell gilt für den Dialogprozess auf Bundesebene:

• Exzellentes breites Expertenwissen wird mit äußerst hohem Engagement transparent aufbereitet.
• Der Dialog ist von besonderer Sachlichkeit, der gebotenen wechselseitigen Wertschätzung und dem nötigen Verständnis für die Standpunkte des Gegenübers geprägt.
• Die Probleme sind identifiziert und klare Forderungen an die jeweiligen Akteure sind formuliert.
• Der Dialogwurde zur "Chefsache" erklärt.  
Zur Verbesserung der Information, Kommunikation und Motivation wurde mit der Evaluierung der Ausbildungsinhalte für Jungjäger und Forstleute begonnen und erste Vorschläge für die Optimierung der Aus- und Weiterbildung unterbreitet. Eine Expertenliste für Vortragende bei Fachveranstaltungen wie Bezirksjägertagen ist im Aufbau. Den Instrumenten zur Selbstbewertung der nachhaltigen Jagdwirtschaft kommt eine bedeutsame Rolle zu. Dazu wurde ein Pilotprojekt im Rahmen der Förderung der Ländlichen Entwicklung realisiert. Die Berichterstattung über den Fortschritt in den Arbeitsgruppen ist in den Fachmedien und bei Fachveranstaltungen erfolgt und wird in bewährter abgestimmter Weise fortgeführt. Für alle Dialogteilnehmer wurde eine Intranetseite mit sämtlichen Arbeitsunterlagen eingerichtet, öffentlich zugängliche Publikationen durch die Arbeitsgruppen werden in Betracht gezogen. Zu Fragen des Wildeinflusses und betreffend Wildschadensbewertungen wurden umfassende Arbeitsunterlagen über die Methodenpallette erstellt. Die methodischen Grundsätze und vorliegenden Ergebnisse der Österreichischen Waldinventur und des Wildeinflussmonitorings (WEM) werden anerkannt. Zur Verbesserung des wechselseitigen Verständnisses haben auch Besprechungen und Exkursionen vor Ort stattgefunden. Ein Pilotprojekt zur Optimierung der Abstimmungen zwischen Jägern, Grundeigentümer und Behördenvertretern wurde im Bezirk Kirchdorf gestartet. Dadurch soll der Forst & Jagd Dialog von den Führungsebenen der Jagd und der Forstwirtschaft auch auf die Bezirksebenen ausgeweitet werden. Eine Evaluierung der jagdgesetzlichen und forstrechtlichen Grundlagen hat zur Identifikation von hemmenden und fördernden Faktoren zur Optimierung ausgeglichener wild- & waldökologischer Verhältnisse geführt. Es gilt nun diese Erkenntnisse in der Praxis weiter umzusetzen.
Ein äußerst kooperativer Informationsaustausch mit den obersten Vertretern der Landesjagdbehörden konnte erfolgreich eingeleitet werden.  
Im kommenden Arbeitsjahr wird unter anderem an folgendem gearbeitet:
• Geeignete Strategien weiterentwickeln, die sicherstellen, dass die Inhalte der Mariazeller Erklärung die Verantwortungsträger auf allen Ebenen erreichen und diese in ihrem Bestreben der Umsetzung adäquater Maßnahmen gestärkt werden.
• Evaluierungsprozesse über Wildeinflussmonitoringsysteme unterstützen und die vereinbarte gemeinsame Interpretation der Ergebnisse auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene bestmöglich fachlich fundiert voranzutreiben.
• Gemeinsam mit den für die Jagd- und Forstgesetzlich Verantwortlichen für Legistik und Vollzug positive Erfahrungen weiter identifizieren, die fachpolitisch Verantwortlichen informieren und die für die Optimierung ausgeglichener Wald- Wildverhältnisse nötigen Maßnahmen vorantreiben.
Über den Fortschritt bei der Umsetzung dieser Maßnahmen wird die Öffentlichkeit entsprechend informiert.


Allgemeines zum Dialog und zum Paradigmenwechsel

Exzellentes breites Expertenwissen wird mit äußerst hohem Engagement transparent aufbereitet. Der Dialog ist weitgehend von einer Sachlichkeit mit der gebotenen wechselseitigen Wertschätzung und dem nötigen Verständnis für die Standpunkte des Gegenübers geprägt. Die Probleme sind identifiziert, das Problembewusstsein wird sehr differenziert beurteilt: auf der Top Ebene wesentlich besser gegeben als vor Ort, klare Forderungen an die jeweiligen Akteure sind formuliert. Der Dialog wurde zur "Chefsache" erklärt. Argumentative Unterstützung für regionale Projekte zur Wildschadensreduktion laufen. Weiters gibt es zusätzliche Impulse für die Wildschadensreduktion z.B. bei ÖBf AG, Rücknahme von Revieren in die Eigenbewirtschaftung, teilweise mit Anstellung zusätzlicher Berufsjäger mit Fokus Rotwild-Reduktion und nicht mit Fokus Kundenbetreuung. Ein beidseitiges Bemühen z.B. durch Erarbeitung neuer Abschussrichtlinien, ist spürbar; dennoch besteht bei der wechselseitigen Einbindung Verbesserungspotential. Die Entwicklung des Wildeinflusses (Verbiss) und der Schälschäden in den neun PEFC-Zertifizierungsregionen ist ein wesentlicher Indikator bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung. In den jeweiligen Regionenberichten finden sich dazu klare Zielformulierungen, die erreicht werden müssen, damit bei den Wiederholungsaudits das PEFC-Zertifikat wieder verliehen werden kann.


Wildeinfluss bzw. Wildschaden

Die Monitoringsysteme sind weitestgehend vollständig dargestellt. Argumentative Unterstützungen bei der Überarbeitung von Rotwild-Überwinterungskonzepten in Wildschadens-Problemgebieten werden erstellt.


Information, Kommunikation und Motivation

Die Weichen im Programm Ländliche Entwicklung wurden für revierbezogene wildökologische Planungen gut gestellt. Offensive Information der Ergebnisse des WEM durch Versand der Broschüren an Jagdausschussobmänner und Info-Veranstaltungen. Die Verteilung der Broschüren durch Landesjagdverband bzw. Landesforstdienst ist nicht immer und überall optimal verlaufen. Das Thema wird in den Forstausschüssen der Landwirtschaftskammern besprochen und ist ein thematischer Schwerpunkt Wald/Wild in Mitgliederzeitungen. Es gibt Überlegungen zur Erstellung einer Beratungsbroschüre unter dem Arbeitstitel "Wild und Waldbau". Bei der Kommunikation auf Sachebene sind Verbesserungspotentiale gegeben. Der Forst-Jagd Dialog ist ein laufendes, aktuelles Thema im Hauptausschuss des ÖFV und der Vollversammlung. Die Landesforstvereine greifen das Thema auf und richten gemeinsame Seminare und Veranstaltungen mit der Jägerschaft aus, wie z.b. die aktive Mitgestaltung am Seminar "Alpenkonvention und Wildeinfluss" des Wildökologischen Forums Austria am 23. Mai 2014 in Salzburg. Ein WEM-Workshop für Funktionäre für Mitte September im Burgenland, gemeinsam BLJV mit Landesforstdirektion und BFW ist in Vorbereitung. Ebenso sind WEM-Info-Veranstaltungen (Vortragsreihe) für die Jägerschaft im Burgenland an mehreren Orten im September mit Landesforstdirektion terminisiert. 1 x jährlich eine gemeinsame Aussprache BJM/BFI über WEM/ÖWI und Ausweisung der Schad- bzw. Reduktionsgebiete im gesamten Bundesland Kärnten wurde vereinbart. Die Besprechung der WEM-lnhalte bei 2 landesweiten Veranstaltungen in NÖ sowie Versendung der WEM-Publikation an alle Reviere und Funktionäre laufen. Vereinbart wurden Veranstaltungen zur Diskussion der WEM-Ergebnisse z.B. in allen Bezirken in Salzburg. Die Besprechung der WEM-lnhalte in der Steiermark mit den Jagdfunktionären, bei BJ-Tagen wie auch beim Steirischen Berufsjägertag wurde durchgeführt. Es erfolgte die Verteilung der WEM-Broschüre in der Steiermark über die BJM an 2600 Reviere. Ein ausführliches Gespräch zwischen LJM und LFD in der Steiermark, u.a. über "gemeinsame Kommunikation" fand statt. Besprechung des WÖRP im Landesjagdausschuss in Oberösterreich und die Verbesserung der Zusammenarbeit BFI und Bezirksjägermeister in Oberösterreich sind in Umsetzung.


Zu den rechtlichen Grundlagen

Die jagdgesetzlichen Grundlagen sind gut evaluiert. Es gibt eine Grundlagenstudie des Österreichischen Forstvereins.
Arbeitsgruppe in der Landesregierung (BLJV, LK) im Burgenland zur allgemeinen Adaptierung des Bgld. Landesjagdgesetzes (speziell im Bereich Wildschaden)
Bei nächster Jagdgesetz-Novelle in Kärnten Berücksichtigung folgender Punkte:
- Mitarbeit der Grundeigentümer bei der Abschußplanung in den GJ
- Jagdpachtverträge mit Möglichkeit von Bonus-Malus
- Überarbeitung des Fütterungsparagraphen § 61
Umsetzung eines Schalenwildpaketes für Rotwild und Rehwild in NÖ ab Jagdjahr 2014:
- Vorziehen der Schusszeit für 1-jährige Stücke (Rehwild ab 16.4., Rotwild ab 1.5.)
- Durchgehende Schusszeit für die Schmalgais von 16.4. bis 31.12.
- Abschaffung der Kronenhirschregelung beim Rotwild in der AK III (nicht in der AK II)
- Schusszeitende für Rothirsche der AK I und AK II mit 30.11.
- Anpassung der Schusszeit auch für Damwild und Sikawild an Rotwild (1-jährige ab 1.5.)
Evaluierung der Abschussplanverordnung in Oberösterreich: bei weiblichem Rot- und Rehwild ist Mindestabschuss festgelegt.
Vorbereitung einer Jagdgesetznovelle in Tirol mit Schwerpunkten:
- Fütterung
- Verjüngungsdynamik als Monitoring-Verfahren
- Besucherlenkung/Ruhezonen
Harmonisierung der Fütterungsverordnungen für Rotwild landesweit in NÖ.
Einführung einer flächendeckenden Grünvorlage für Rotwild landesweit in NÖ.


Abschussrichtlinien

Entwurf einer neuen Abschuss-Verordnung für Rotwild durch BLJV zur Vorlage bei der Landesregierung im Burgenland.
Schusszeitende beim Hirsch AK I und II mit 15.12. 
Abschusspläne in Schadgebieten mit folgenden Möglichkeiten in Kärnten:
- Erhöhung der Abschussquoten beim weiblichen Wild um 30%
-zusätzliche Topfabschüsse beim Kahlwild nach oben offen
- Abschussfreigabe Hirsch/Tier/Kalb im Verhältnis 20/40/40
-Abschuss von 3 Stück Kahlwild, dann erst Abschuss des 1.Hirsches
Abschussplanung für Rotwild in Schadensgebieten in NÖ
1:2:2 (H/T/K) schon ab Frühjahr 2014).
Festhalten an den hohen Abschussvorgaben durch die WEM-Ergebnisse bei Rot- und Rehwild in Salzburg.
Überarbeitung der Abschussrichtlinien in Tirol und Abstimmung mit den Bundesländern (besonders im Bereich der Sozialstrukturen bei den jeweiligen Wildarten).  


Sonstige Maßnahmen

Evaluierung der Jungjägerausbildung in Kärnten mit Schwerpunkt Wildlebensraum ab 2015.
Spezielle Schießseminare für Jäger in Schadgebieten in Kärnten.
Ergebnisse von ÖWI und WEM fließen bei der Jagdvergabe der ÖBf AG (Periode endet 2015) in Salzburg ein.
Evaluierung der Jägerausbildung in Tirol.
Disziplinarrecht in Tirol.
Überarbeitung des Jagdprüfungsbehelfes im Bereich "Forstwirtschaft".


Autor: Maierhofer
15.10.2014, 12:18 MEZ

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