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Der Wert von Wald und Wasser

Bundesforste und TU Wien starten ein Modellprojekt, das den Wert von Leistungen der Natur misst.

Saubere Luft und reines Trinkwasser, Schutz vor Erosion und Hochwasser, Lebensraum für Tiere und Pflanzen: die Leistungen der Natur sind vielfältig und scheinbar kostenlos. Eine Bewertung von-Naturgütern und damit auch ein breites Bewusstsein für deren Wert fehlt jedoch. Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) haben nun gemeinsam mit der technischen Universität Wien ein Modellprojekt ins Leben gerufen, bei dem der Wert sogenannter "Ökosystem-Leistungen" erstmals erfasst werden soll. Es startete vor kurzem unter dem Titel "Von den Werten der Natur" startete. Mangelnde Wertschätzung ist eine der Ursachen für die Verschlechterung von Ökosystemen und den Verlust der Artenvielfalt. Auf verschiedenen Flächen der Bundesforste werden auf insgesamt rund 60.000 Hektar fünf Naturleistungen untersucht. Im Forstbetrieb Pinzgau wird dabei die Leistung "Wasserversorgung" bewertet, im  Forstbetrieb Inneres Salzkammergut der "Erosionsschutz" und im Landschaftraum Wienerwald die "lokale Klimaregulationsleistung". Im Nationalpark Donauauen steht die „Biologische Vielfalt" im Focus. Eine weitere Untersuchung, die auf allen Flächen der Bundesforste erfolgt, befasst sich mit den gesundheitlichen Effekten, die Natur- und Kulturlandschaften als "Erholungsleistung" bieten. Dass der Erhalt von Naturleistungen tatsächlich bares Geld wert ist, zeigte der ÖBf-Vorstand Georg Erlacher am Beispiel des Schutzwaldes auf. ;,Die Kosten für die Sanierung eines Schutzwaldes betragen das Zehnfache seiner laufenden Erhaltung. Muss dieser durch eine technische Verbauung ersetzt werden, kostet. das rund hundert Mal so viel." Als weiteres Beispiel nannte er die sogenannte "Klimaregulationsleistung des Waldes: "Der Wald senkt die Temperatur seiner Umgebung auf natürliche Art. In waldnahen Siedlungen liegt die Temperatur im Mittel bereits um drei Grad über der Temperatur im Wald, in verbautem Gebiet sogar um sechs Grad. Diese Temperaturunterschiede könnten sich auch auf die menschliche Gesundheit auswirken, was wiederum Folgekosten nach sich ziehen würde. Die Bewertung der Naturleistungen erfolgt auf Basis eines wirtschaftlichen Gesamtwertes. „Primär wird monetär. bewertet, ergänzt durch qualitative und quantitative Bewertungen,“ erläutert Michael Getzner vom Department für Raumplanung der Technischen Universität Wien. Bewertet wird etwa der Marktpreis zum Beispiel des Wassers oder welcher Aufwand erforderlich ist, um Umweltschäden zu beheben. Es werden aber auch repräsentative Befragungen unter der heimischen Bevölkerung durchgeführt, um zu erheben, wie viel diese bereit wären zu zahlen, wenn auf den Flächen der Bundesforste der Umweltschutz verstärkt würde. Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich auf 120.000 Euro. Einen ersten Zwischenbericht soll es im Frühjahr geben, der Endbericht erscheint Ende 2015. Abhängig von den Ergebnissen der Pilotphase ist eine Durchführung weiterer Bewertungen bis 2018 geplant. Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam mit dem WWF - World Wide Fund For Nature. Eine Vorstudie dazu wurde mit dem Umweltbundesamt durchgeführt. Impulsgeber war die sogenannte TEEB-Initiative, die 2007 mit Unterstützung der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde. TEEB steht für "The Economics of Ecosystems and Biodiversity•". Mit einer gleichnamigen Studie, an der mehr als 500 Wissenschaftler beteiligt waren, wurden erstmals Ansätze zur Bewertung von Ökosystemen und Artenvielfalt auf die globale Agenda gebracht.  


Autor: Maierhofer
18.12.2014, 12:25 MEZ

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