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Wenn der Wald Schule macht

von Ing. Martina Lienhart und Ing. Elisabeth Reiterer

Immer häufiger werden „Grenzen im Wald“ überschritten – zum einen werden Eigentums­rechte ignoriert und zum anderen wird Grund und Boden als Lebensraum missachtet. Diese beunruhigende Entwicklung nimmt eine gewisse Selbstverständlichkeit an. „Kommunikation zwi­schen Fachexperten und der Bevölkerung ist der Schlüssel zum Erfolg“, fordert Waldpädagogin Lienhart.


Interesse am Wald wecken

Waldschule_1.jpg © redgrößer Forstleute haben eine ganz besondere „Waldbotschaft“ entwickelt – die Waldpädagogik. Sie soll einen Dialog zwischen Mensch und Natur her­stellen. Waldpädagogik versteht sich auch als Teil der Öffentlichkeitsarbeit für die Forstwirtschaft. Gerade in den letzten Monaten steht die Forst­wirtschaft häufig unter Beschuss. Forderungen nach Öffnung der Wälder ohne Einschränkung werden immer lauter. Aber der Wald ist nicht nur schöner Teil der Natur, sondern auch Arbeits­platz und Rohstofflieferant der Waldbesitzer. Doch dieser Arbeitsplatz wird zunehmend durch den Besucherstrom eingeschränkt. Warntafeln werden ignoriert und das Recht auf Erholung im Wald wird als Entschuldigung für sämtliche weitere Nutzungen herangezogen. Dies ist ein­deutig im Forstgesetz geregelt und nicht erlaubt. Schwammerlsucher betreten forstliches Sperrge­biet und Mountainbiker erobern die Forststraßen unter dem Vorwand der öffentlichen Zuschüsse. Doch ist das rechtens? Ja, wir bekommen Förde­rungen. Rechtfertigt das aber die Nutzung von Eigentum, das von öffentlichen Institutionen gefördert wurde? Kann somit jeder eine Gemein­dewohnung zur kostenlosen Nächtigung oder zum Toilettengang benutzen? Ganz davon abgesehen werden Forststraßen von schwer beladenen Holz-LKWs in teils schwie­rigem Gelände befahren. Unverantwortliche Mountainbikeraser nehmen kaum Rücksicht. Jedes spontane Ausweichmanöver stellt eine Herausforderung für den Lenker dar. Auch der ein oder andere Erholungssuchende muss sich mit einem gewagten Sprung in Sicherheit der Straßenböschung bringen. Erste Erfolge konnten durch ausgewiesene Forststraßen im Einverneh­men des Besitzers verzeichnet werden. In diesen Fällen ist die Haftung eindeutig geregelt. Noch problematischer ist die Nutzung abseits der Wege anzusehen. Dabei bewegt man sich quasi im Wohnzimmer der im Wald beheimateten Tiere. Durch diese Beunruhigung können unter ande­rem Schälschäden entstehen, die Brunft gestört und das Ökosystem geschädigt werden. Das Bedürfnis und auch der Bedarf nach Erho­lung im Wald nehmen zu, deshalb werden auch die Forderungen immer lauter. In einer Zeit in der sich die Arbeitsplätze immer mehr nach innen verlagert und die Wohnorte in Ballungszentren zugenommen haben, sehnen sich Körper und Geist nach der Natur. Ein immer größerer Teil der Ausgaben unseres Gesundheitssystems fließt in Bereiche, die durch unsere heutige Lebenswei­se und Stress verursacht wird. Durch die verstärkt sitzende Tätigkeit wird unser Bewegungsdrang kaum noch befriedigt. Optimal ist nur ein ausge­wogenes Verhältnis an Aktivitäts- und Erholungs­phasen. Genau das setzen wir unter anderem in der Waldpädagogik um. Durch gezielte Bewe­gung in und mit dem Wald bauen wir angestaute Belastungen ab. Die frei gewordenen Ressourcen werden durch Entspannung aktiviert. So bereitet man einen guten Nährboden für neue Ideen und ist gekräftigt für alle Aktivitäten. Waldführungen sollen bei allen Altersgruppen Verständnis und Interesse am Wald wecken. Kein noch so perfekter Naturfilm vermittelt Erlebnisse im Ökosystem Wald so, als wenn Menschen selbst die Natur direkt erleben können. Alle Sinne sollen dabei sensibilisiert und gefördert werden. Besonders für Kinder steht daher erproben, ler­nen, lachen und spielen am Programm.  


Ziele der Waldpädagogik

Waldschule_2.jpg © redgrößer Die Waldpädagogik soll folgende Punkte bewusst und erfahrbar machen: die Vielfalt der Funkti­onen eines Waldes, die Mitverantwortung jedes Einzelnen im Umgang mit der Natur, die nach­haltige Forstwirtschaft und nicht zuletzt die Achtung vor der Schöpfung. Viele Kinder und Jugendliche kommen heute kaum mehr in den Wald. Vielleicht bewerten gerade deshalb 69 % der Jugendlichen laut einer Umfrage Baumfällen als schädlich. Zielgerichtete Waldpädagogik bei Jugendlichen ist aktiver Wald­schutz und praktischer Biologieunterricht. „Besonders die städtische Bevölkerung begegnet Waldbesitzern und Forstleuten oft mit Vorurtei­len, diese gilt es durch Aufklärung bzw. Wissens­vermittlung richtig zu stellen. Denn nein, wir sind weder Baummörder noch kann man auf unserem Grund und Boden tun und lassen was man will“, betont Reiterer vom Waldverband.


10 Jahre Waldschule Graz

Waldschule_3.jpg © redgrößer Unter der Leitung von Stadtförster Peter Bedenk, geben die ausgebildeten Forstleute und Waldpä­dagogen Martina Lienhart, Peter Jaritz und Eli­sabeth Reiterer ihr Wissen Preis. Die Waldschule Graz bietet dafür die perfekten Bedingungen im Leechwald - ein uriges Gebäude, präparierte Tiere zum Anfassen, eine gut ausgestattete Werk­stätte und natürlich eine Feuerstelle welche, jedes Herz für den Rohstoff Holz zu entfachen weiß. Seit 1. Mai wurde die bestehende Kooperation mit der GBG Gebäude-und Baumanagement Graz GmbHSteiermark erweitert. Nun wird die Waldschule Graz durch den Waldverband Steier­mark unterstützt. Eine Programmerweiterung soll insbesondere Erwachsene als Zielgruppe ansprechen. Dahinge­hend sollen Schwerpunkte im Bereich Burn-out Prävention, Team-Building und Live-Baumfäl­lungen gesetzt werden. Beim Kinderprogramm zeichnet sich ein starker Trend zu Geburtstags­feiern mit Waldführungen ab. Viele Eltern haben in ihren Wohnungen oft nicht den Platz für eine große Schar Kinder und die Waldschule ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreich­bar. Spielerische Wissensvermittlung steht hier im Vordergrund und den Mehrwert für den Wald ins Bewusstsein zu rufen. Gerne wird auch ein Exkurs ins Weidwerk von den drei passionierten Jägern unternommen, wenn es ums Wild bzw. um die Tiere im Wald geht. Die Waldschule Graz hat sich in ihrem zehnjährigen Bestehen einen guten Ruf erworben. Besonders Kindergärten und Schulen nutzen das Angebot. „Das Potential, speziell im stetig wachsenden Ballungsraum, ist beachtlich“, berichtet Bedenk.     Am 17.9.2015 feierte die Grazer Waldschule 10 Jahre. Aus diesem Anlass haben die GBG und der neue Projektpartner Waldverband Steiermark zu einer Jubiläumsfeier eingeladen. Neben der Vor­stellung der Erweiterung des waldpädagogischen Konzeptes der Waldschule haben Informationen und Spiele zum Grazer Wald die Veranstaltung bereichert. Die Verantwortlichen der GBG und des Waldverbandes sowie das Waldpädagogen­team freuen sich auf weitere erfolgreiche Jahre.


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Autor: red.
07.10.2015, 10:52 MEZ

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