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Drei Jahre „Mariazeller Erklärung“

von Dr. Peter Lebersorger & Dr. Johannes Schima

Die „Mariazeller Erklärung“ wurde am 1. 8. 2012 von den höchsten Repräsentanten der Forstwirtschaft und der Landesjagdverbände Österreichs unterzeichnet und ist als deutliches Signal für einen Schulterschluss zwischen den Jagdverbänden und der Forstwirtschaft in Österreich zu sehen.

3. Jahresbilanz
Zur Umsetzung der Mariazeller Erklärung haben wir als gemeinsames, vordringliches Ziel festgelegt, den negativen Trend des Wildeinflusses zu stoppen und eine messbare Trendumkehr bei den kommenden Auswertungen der ÖWI und dem WEM festzustellen. Wir haben uns zudem verpflichtet, bundesweit ausgeglichene wald- und wildökologische Verhältnisse erreichen zu wollen. Dieses Ziel haben wir jedoch in der kurzen Zeit noch nicht erreichen können.


Mariazeller Erklärung.jpg © Red.größer

Daher halten wir mit aller Deutlichkeit fest:

Wechselseitige Schuldzuweisungen hemmen - von erfolgreichen Akteuren lernen!
Trotz des Mariazeller Prozesses werden Wald Wild Diskussionen leider immer noch allzu oft emotional geführt. Ohne sachliche Diskussionen werden sich die von uns angestrebten Ergebnisse aber nicht von selbst einstellen. Wir werden erfolgreiche Akteure, Betriebe und Regionen vor den Vorhang bitten, um von ihnen zu lernen.  

Gut Ding braucht Weil - Messbare Erfolge nicht von heute auf morgen möglich!
Diskussionen über den Lebensraum Wald, den Wildeinfluss und Wildschäden sind nicht neu. Oft sind die Zusammenhänge aber sehr komplex und es gibt keine Patentrezepte, die in alle Bereiche übertragbar und flächig anwendbar wären. Wir sehen den Forst & Jagd - Dialog als ein mittelfristiges Projekt, das von allen große Verantwortung und zeitgerecht noch viele weitere Anstrengungen auch in der Praxis abverlangt.  

Nicht schönreden - ausschließlich Fakten sprechen lassen!
 Aussagen über Erfolge und Misserfolge sind unterschiedlich, liegen manchmal auch gar nicht sehr weit auseinander. Dennoch müssen wir authentisch bleiben und die Problemlagen, Wünsche und Forderungen weiterhin klar ansprechen. Es geht nur gemeinsam, wechselseitig das nötige Verständnis für den Verhandlungspartner aufzubringen und mit diesem ergebnisverbindliche Vereinbarungen zu treffen. Wir betrachten den Forst & Jagd - Dialog solange als erfolgreich, als es uns gelingt, Mehrwerte in den Bereichen: Motivation, Information und Kommunikation, Jagdrecht, Monitoring der Waldzustände und der Wildstände sowie innovative Bejagungsmethoden zu generieren.  

Was wiegt, das hat`s - exzellentes Monitoring und gemeinsame Ergebnisinterpretation punkten!

Ein umfassender Vergleich mehrerer Monitoringverfahren zeigt die Stärken und Schwächen sowie deren optimalen Einsatzbereich sehr gut auf. Mit der Weiterentwicklung des WEM und der regionalen Differenzierung der Ergebnisse soll zwischen Problemgebieten und beispielgebenden Wildlebensräumen besser differenziert werden können. Wir begrüßen die geplante Umstellung der Österreichischen Waldinventur auf ein permanentes Monitoringsystem und erwarten uns dadurch statistisch gut abgesicherte jährlich vorliegende Ergebnisse.  

Fiktionslose Wildstandszahlen und Situation Wildeinfluss - Basis für alle Maßnahmen!

Trotz eines reichen Erfahrungsschatzes bei den Abschussplanungen lassen Fallstudien darauf schließen, dass die kalkulierten Wildstände nicht immer der realen Situation entsprechend taxiert werden bzw. zugunsten des weiblichen Wildes verschoben sind. Sinnvolle Strategien zur Optimierung des Wildeinflusses auf den Wald erfordern solides Wissen über die Entwicklung der Bestände. Mit einer Fachveranstaltung wollen wir gezielt den Stand der telemetrischen und sonstigen Wildmonitoringverfahren solide aufbereiten und die Ergebnisse in unsere weiteren Beratungen über Wildstandserhebungsmethoden einfließen lassen.  

Dialog auf allen Ebenen notwendig - Abstimmung auf Revierebene ist Schlüsselfaktor!

Es besteht Einigkeit, dass durch einen guten Dialog auf Funktionärsebene und „top down Strategien“ alleine die angestrebten Ziele nicht erreichbar sein werden. Wir bekennen uns zu einem wertschätzenden und ergebnisverbindlichen Dialog. Die tatsächlichen Erfolge werden sich dann einstellen, wenn auch auf Revierebene Einigkeit zwischen Grundeigentümern, Jagdausübungsberechtigten und den Behörden über das praktische jagdliche und wildökologische Management besteht. Mit der Unterstützung weiterer Pilotprojekte und der wechselseitigen Einladung zu jagdlichen und forstlichen Veranstaltungen wollen wir diesen wichtigen Erfahrungsaustauch weiter vorantreiben. 

 „Mariazell“ lebt nur dann, wenn „auch der letzte Hochsitz“ erreicht wird!
Aus- und Weiterbildung haben sich in den letzten Jahren schon sehr zum Positiven verändert. Der bundesweit gewünschte Erfolg, nämlich die Trendumkehr beim Wildeinfluss, wird sich aber nur dann einstellen, wenn alle Beteiligten entsprechend mitwirken. Es ist nun unsere Herausforderung, über die Ziele der Mariazeller Erklärung, das bereits gemeinsam Erreichte und die noch nötigen Umsetzungsschritte möglichst breit zu informieren.  

Eigenverantwortung stärken - die Jagd braucht wenige, einfach umsetzbare Regeln!

Wichtige jagdrechtliche Innovationen mit deutlichen Bezügen zu den vorliegenden Empfehlungen des Forst & Jagd - Dialogs sind in mehreren Bundesländern erfolgt, wiewohl noch nicht alle Umsetzungsschritte wunschgemäß erfolgen konnten. Für Rot-, Reh- und Gamswild wurden die eine Waldverjüngung fördernden und hemmenden Faktoren identifiziert und die gemeinsame Evaluierung der jagd- und forstrechtlichen Verfahren wurde begonnen. Wir bekennen uns zur nötigen Stärkung der Eigenverantwortung der Jagdausübungsberechtigten und sehen hier noch deutliches legistisches Verbesserungspotenzial.  

Innovative Bejagungsmethoden - mit voller Kraft voraus!
 Die Statistiken zeigen Stagnationen und Rückläufe bei den getätigten Abschüssen. Dies hat unterschiedliche Ursachen, die genauerer Analysen bedürfen. Im Fokus stehen die möglichen Grenzen traditioneller Bejagungsmethoden ebenso wie die veränderten Verhaltensweisen des Wildes durch Störeinflüsse. Wir werden uns mit der Effizienz und dem Verbesserungspotenzial bei den Bejagungsmethoden verstärkt auseinandersetzen.  

Grenzenloses Austoben im Wald - Lenkung einzelner Extremaktivitäten ist heute wichtiger denn je!

Derzeit läuft eine Kampagne, die sich für die uneingeschränkte Benützungsmöglichkeit von Forststraßen und Wanderwegen für RadfahrerInnen verwendet. Die derzeit geltenden relevanten Bestimmungen im Forstgesetz, wonach Routenausweisungen im Einvernehmen mit dem Grundeigentümer erfolgen können, haben sich aber bewährt und sollen unverändert beibehalten werden. Chaos im Wald ist „nicht geil“! Wir lehnen daher die generelle Freigabe von Waldwegen und Forststraßen für das Mountainbiken entschieden ab! Wir sehen die dringende ökologische Notwendigkeit, dass die vielfältigen Störeinflüsse auf Wildtiere nach besten Kräften und für alle zumutbar reduziert werden.


Autor: Maierhofer
07.10.2015, 11:54 MEZ

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