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Bescheidener Holzbauanteil

Weniger Holzverladebahnhöfe – Käferkalamität: Testfall für Infrastruktur

Es ist das alljährliche Stelldichein der österreichischen Forst-, Holz- und Papierindustrie: die FHP-Gespräche. Heuer gab es einen Grund mehr hinzukommen: FHP-Obmann Georg Starhemberg verabschiedete sich nach fünf Jahren und lud ins Familienschloss nach Eferding. Das verstanden auch die Referenten: So hochkarätig wie am 5. November war deren Reihe noch nie.

ÖBB-Vorstandsvorsitzender Mag. Christian Kern bezeichnete die Forst- und Holzwirtschaft als den „wichtigsten Partner der ÖBB im Bereich Güterbeförderung“. In den vergangenen Jahren mussten die ÖBB die Güterbeförderung wirtschaftlich gesunden. Kern: „Das ist gelungen. Die Holzbranche musste allerdings höhere Preise und weniger Verladebahnhöfe akzeptieren.“ Trotzdem bezuschussen die ÖBB den Holztransport mit einem „deutlich zweistelligen Millionenbetrag“ (Kern). Das können sich die ÖBB einerseits leisten, weil sie das Jahresergebnis von 330 Mio. € Verlust 2010 auf +100 Mio. € 2014 drehten. Andererseits haben die Bundesbahnen eine Standortaufgabe zu erfüllen – etwa im strukturschwächeren ländlichen Raum.
Es gibt 128 Holzverladebahnhöfe in Österreich. „Damit haben wir pro 100 km neun dezentrale Bahnhöfe. Deutschland hat 6 und Italien nur 1 pro 100 km. Wir haben das dichteste Bahnnetz der Verladung in Europa.“ Diese Struktur soll so erhalten bleiben.


Mehr Umsatz mit Holztransport

Mit der Plattform Forst–Holz–Papier gibt es eine neue Vereinbarung. Kern nannte es „eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“ Im Vorjahr machte man mit der Forst- und Holzwirtschaft 220 Mio. € Umsatz. Bis 2018 wünscht sich Kern 250 Mio. € Umsatz.
Als Teil der guten Partnerschaft mit der Holzbranche verwies Kern darauf, dass die ÖBB mit Holz bauen. Bald wird der Güterterminal Inzersdorf eröffnet. Die Bahnhöfe Zeltweg und Gramatneusiedl sind Holzbauten. „Der größte ÖBB-Holzbau entsteht aber in der Weststeiermark mit dem Bahnhof vor dem Koralmtunnel“, blickte Kern in die Zukunft.
Sektionschef Gerhard Mannsberger, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, formulierte es so: „Gäbe es diese neue Vereinbarung mit den ÖBB nicht, kämen 200.000 Lkw-Fahrten zusätzlich zum Einsatz.“ In den kommenden Monaten sind flexible Transportlösungen gefragt, gilt es doch, das vom Käfer befallene Holz möglichst rasch zu den Verarbeitern zu bringen. Heuer fallen 1,5 Mio. fm Schadholz an, die auf die Käferkalamität zurückzuführen sind. Das wäre ein Schaden von rund 35 Mio. €. Das Schadholzaufkommen könnte sich 2016 verdoppeln – das zeigen die Erfahrungen.


Nur 2 % Holzbauanteil

Das österreichische Gesamtbauvolumen liegt bei 17 Mrd. €. Davon lukriert der Holzbau laut Hans-Peter Weiss, Geschäftsführer Bundesimmobilien Gesellschaft, 3,74 Mrd. €. „Bei einer Verschiebung von 2 % des Gesamtbauvolumens auf den Holzbau würde das rund 10 % mehr an Holzbauten bezogen auf das Holzbauvolumen bedeuten.“
Weiss nutzte die Veranstaltung, um auf Defizite hinzuweisen:

  • zu wenige Generalunternehmer
  • zu wenige Betriebe für Großprojekte
  • Herstellungskosten für Holzbauten liegen 6 bis 10 % über einer mineralischen Bauweise.
Umgehend relativierte er letzteren Punkt. „Die Betriebs- und Folgekosten werden einfach zu wenig berücksichtigt. Würde man das hinzurechnen, stünde die Kalkulation wesentlich holzfreundlicher da.“ In Österreich zähle derzeit vielfach nur die Größe der Erstinvestition. Nicht so bei der BIG, die eine ganzheitliche Projektabwicklung versucht - mit einem „Holistic Building Program“.


Holz in der Stadt Randerscheinung

Der traurige Status quo sei, dass der Holzbau in der Stadt eine absolute Randerscheinung darstellt. Die baurechtlichen Erfordernisse für Brand- und Schallschutz seien die limitierenden Faktoren. „Die Vorschriften bilden noch immer viele Vorurteile ab.“
Eine Stakeholder-Umfrage der BIG förderte aber Erfreuliches zutage. Die Bauherren, Planer und Architekten billigten dem Holzbau zu 85 % eine essenzielle Rolle zu. Über 90 % wollen Holz am Bau künftig forcieren. Bemängelt wurden in der Umfrage:

  • fehlende Produktinformationen
  • fehlende rechtliche Rahmenbedingungen
  • fehlende ökologische Qualitätssicherung
„Es gibt also großes Interesse und die Möglichkeit zur Aufklärung“, zeigte Weiss lösbare Aufgaben auf.


Wertverlust, wenn nicht geerntet wird

Franz Fischler, der ehemalige EU-Agrarkommissär und jetzige Präsident des Europäischen Forums Alpbach, sah im Wald das Nutzungspotenzial bei Weitem nicht ausgenutzt. „Es ist mehr hiebsreifes Holz da, als genutzt wird. Den Waldbesitzern geht Vermögen verloren, wenn sie zum Zeitpunkt der Hiebsreife nicht ernten.“
Zuerst sollte das Holz aber stofflich verwertet werden, ehe es am Ende des Lebenszyklus verbrannt wird. Diese kaskadische Nutzung gelte es, weiter zu forcieren.
Die größte Herausforderung für den Wald stelle der Klimawandel dar. Die Baumartenwahl sei entscheidend – aber nicht einfach: Die Waldbesitzer müssen zumindest 80 Jahre vorausplanen.


Autor: Gerd Ebner
11.11.2015, 08:22 MEZ

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