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Weidegänse.jpg © Maierhofergrößer

Zusammenfassung der Diplommaturaarbeit: Einsetzbarkeit von Weidegänsen in der Kastanienproduktion in der Weststeiermark

von Hannes Meisel

Einleitung:

Seit einigen Jahren erlebt der professionelle Kastanienanbau in Österreich, im Speziellen aber in der Steiermark eine Renaissance. Regional produzierte Edelkastanien die in Größe und Qualität italienischen Maroni um nichts nachstehen sind beim Konsumenten sowie der Gastronomie sehr gefragt. Wurden früher Kastanien aus Wildsammlung verkauft, gibt es heute spezielle Kastanienplantagen in denen nur veredelte Bäume mit hervorragender Fruchtqualität wachsen. Vor allem dem Einsatz einiger weniger Bauern ist es zu verdanken, dass es heute eine große Vielfalt an Sorten gibt, die bei uns kultiviert werden. Zu Beginn des Jahrhunderts war an eine solche Entwicklung nicht zu denken, da die Edelkastanie durch eine Pilzerkrankung, den Kastanienrindenkrebs, massiv vom Aussterben bedroht war. Dies konnte durch verschiedene Maßnahmen verhindert werden. Das Wissen wie mit dem Rindenkrebs umzugehen ist, ebnete den Weg für den Kastanienanbau wie er heute stattfindet. In den ersten Jahren nach der Neupflanzung einer Plantage gibt es nur einen mäßigen Ertrag und die Überschirmung der Flächen ist sehr gering. Daraus entwickelte sich die Idee diese Fläche mit Weidegänsen zu bewirtschaften. Ein Agro-Forestry System dieser Art ist neuartig in Europa. Ziel dieser Wirtschaftsweise sollte eine Steigerung des Deckungsbeitrages, sowie geringere Arbeitsbelastung sein.


Versuchsaufbau

Die Arbeit wurde im Rahmen einer Diplommaturaarbeit an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein verfasst. Der dazugehörige Versuch wurde auf dem elterlichen Betrieb in der Weststeiermark durchgeführt. Ziel des Versuches war es, eine Abschätzung abzugeben wie viele Gänse auf der Fläche gehalten werden können. Ob die Notwendigkeit für einen Fraßschutz besteht. Wie sich der Deckungsbeitrag entwickelt. Welche Methoden es für die Beerntung der Flächen gibt und welche Probleme bei der praktischen Umsetzung auftreten. Der Versuch wurde im Sommer 2014 mit 25 Weidegänsen durchgeführt. Von Mitte Mai bis Anfang November lebten  die Tiere bei uns auf dem Hof und erhielten täglich von morgens bis abends Zugang zur Weidefläche. Diese war in mehrere Koppeln unterteilt. Am Tag wurde kein Futter angeboten, nur nachts erhielten sie ein wenig geschrotetes Getreide um die Gänse zu beschäftigen. Die Fläche wurde während des gesamten Versuches nur einmal gemulcht, um eine Verunkrautung zu verhindern. Am 4. November wurden die Tiere geschlachtet und als Martinigans direkt Ab-Hof verkauft.


Ergebnisse

Als erstes Ergebnis konnte schon nach kurzer Zeit eine Veränderung der Grasnarbe beobachtet werden. Sie wurde dichter und Untergräser sowie Klee dominerten den Bestand. Das Durchschnittsschlachtgewicht lag mit 5,24kg eindeutig über vergleichbaren Literaturwerten, was die Eignung der Gänse für diese extensive Form der Mast verdeutlicht. Auch der Deckungsbeitrag  konnte signifikant gesteigert werden, was auf die bessere wirtschaftliche Auslastung zurückzuführen ist. Pro Hektar können, abhängig vom Alter der Plantage, 55-70 Gänse gehalten werden. Auch ob ein Fraßschutz benötigt wird, ist abhängig vom Alter der Bäume und der Vitalität. Bei jungen Anlagen ist ein Fraßschutz unumgänglich. Aufgrund des schlechten Wetters konnte im Herbst kein Versuch einer Alternativen Beerntung der Fläche erfolgen. Geplant war die Ernte mit großen Planen durchzuführen, in denen sich herunterfallende Kastanien sammeln sollten.   Fazit Eine Einsetzbarkeit von Weidegänsen im Kastanienanbau ist prinzipiell möglich. Der dazugehörige landwirtschaftliche Betrieb sollte allerdings über ein gewisses Maß an Infrastruktur verfügen. Alte, ungenutzte Stallungen, die kostengünstig adaptiert werden können sowie ein geeigneter Absatzweg der Weidegänse ist zielführend.


Autor: Maierhofer
23.03.2016, 14:59 MEZ

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