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Waldbaden © redgrößer

Shinrin-Yoku - Baden in der Waldluft

von Ing. Elisabeth Reiterer, Waldverband Steiermark

Schon mal was von Shinrin-Yoku gehört? In Japan ist diese "Waldtherapie" schon längst Teil eines gesunden Lebensstils - aber was hat es damit auf sich? Die Jugendbeauftragte des Waldverbandes Steiermark, Ing. Elisabeth Reiterer, ging dem neuen Trend auf die Spur.

Was mir von Shinrin-Yoku bekannt war:

Geprägt wurde dieser Begriff, der übersetzt "Baden in der Waldluft" bedeutet, 1982 vom japanischen Ministerium für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Gemeint ist damit nicht das buchstäbliche Baden, sondern eher das Eintauchen in die Unberührtheit und Stille eines Waldes. Im Klartext: Man genießt die frische Naturluft - klingt simpel. Die Anziehungskraft des Waldes auf den Menschen lässt sich wissenschaftlich erklären: Aufenthalte im Wald würden sich nachweislich positiv auf das physische, psychische und soziale Wohlbefinden auswirken, die Stimmung aufhellen und einen wertvollen Beitrag zur mentalen Gesundheit des Menschen leisten, so Renate Cervinka, Professorin am Institut für Umwelthygiene der Universität Wien.


Es geht los

10:45 die Bim fährt in die Endhaltestelle Mariatrost ein, die kleine Gruppe von 13 Personen wartet bereits. Ich muss ein wenig schmunzeln, klischeehaft haben sich anscheinend nur Frauen angemeldet. 22€ werden einkassiert – ein recht stolzer Preis. Die drei Referentinnen stellen sich vor: Claudia Praschk (Dipl. Shen Shiatsupraktikerin und Sheng Zhen Gong Lehrerin), Ulrike Seewald (Waldpädagogin, Dipl. Shiatsupraktikerin) und Verena Wöhry (Biologin, Natur- und Erlebnispädagogin). Sie haben im Dezember 2015 das „Shinrin-yoku Netzwerk Graz“ ins Leben gerufen. Wir werden gebeten unser Handy auszuschalten und starten im Gänsemarsch Richtung Waldrand. Dort angekommen teilen wir uns in zwei Gruppen, wir werden in eine Gehmediation unterwiesen. „In jedem Schritt ankommen“, lautet die Devise. Wir wischen symbolisch mit unseren Händen unsere schlechten Gedanke und negativen Ballast von den Schultern und dem Körper. Ganz langsam tapsen wir los durch den Wald, einem Pfad entlang. Sollen bewusst atmen, den Boden spüren und uns bei jedem Schritt wie eine Schnecke am Boden mit den Füßen ansaugen. Der Abstand zwischen den Damen wird größer und man merkt, die ein oder andere vergisst allmählich die Sorgen des Alltags. Mich erinnert das stark ans Pirschen. Wir halten – uns wird die nächste Meditationsübung „der weiche Blick“ erklärt. Der weiche Blick hilft für Entspannung und einen ruhigen Gemütszustand. Wir richten unseren Blick auf etwas, fixieren es aber nicht, sondern es ist als ob wir durch alles hindurch sehen. Manche kennen das noch von den sogenannten Stereo bzw. 3-D Bildern, die vor vielen Jahren mal in Mode waren. So geht es weiter durch den Wald. Uns wird empfohlen während der Übung mit den Füßen bewusst den Weg zu ertasten, da wir ja in die Ferne und nicht auf den Boden sehen sollen. Wurzeln und etwaige Hindernisse können so doch noch rechtzeitig bemerkt werden. Die Übung fordert Konzentration. Nach einigen hundert Metern halten wir an einer kleinen Lichtung. Wir stellen uns hüftbreit hin und atmen bewusst ein und aus während wir die Augen geschlossen halten und die Handflächen nach außen drehen. Wir bereiten uns vor das Erd-Qi, also die Erdenergie, zu sammeln. Mit der Ausatmung senken wird die Hände der Erde entgegen und lassen verbrauchtes Qi abfließen. Mit der Einatmung nehmen wir frisches Erd-Qi auf, heben dabei die Hände auf Schulterhöhe und lassen das frische Qi in unsere Mitte, in den Unterbauch hineinfließen. Diese Übung aus dem Qi-Gong entspannt, gibt neue Kraft und verbindet gut mit Orten. Nach ca. neun Wiederholungen halten wir inne und begeben uns langsam zu einem kleinen Teich wo ein Picknick auf uns wartet. Es ist Mittag geworden und auch die zweite Gruppe trudelt ein. Uns werden Bio-Produkte, vegetarische Speisen und Rohkost angeboten. Am Ende wird durchwegs positives Feedback eingeholt. Einen Tipp bekommen wir noch mit auf den Weg: Besonders Gestresste sollen sich vor einem „Waldbad“ mit Sport auspowern.


Mein Fazit

Shinrin- Yoku ist sicher eine interessante Erfahrung, besonders für uns Forstleute. Man taucht in einer doch vertrauten Umgebung in eine komplett neue Welt ein. Jedoch finde ich es schade, dass unser Ökosystem Wald lediglich als „Kulisse“ fungiert. Im Gegensatz zu boomenden Wald-Trends wie Geocaching oder Mountainbiken erwarten uns hier zumindest „friedfertige Erholungssuchende“. Wie das Ganze dann aussieht wenn die ersten Motorsägen aufheulen – Karma wird´s wohl richten…


Autor: Maierhofer
11.10.2016, 15:12 MEZ

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