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Perspektiven der Waldwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika

Von Univ. Doz. Dr Michael Kleine (International Union of Forest Research Organizations (IUFRO)), Wien


Vortrag bei der Jahreshaupttagung des Steiermärkischen Forstvereins am 9. September 2016

Erhebungen der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur globalen Waldflächenentwicklung zeigen seit vielen Jahrzehnten einen negativen Trend. Im ausgehenden 20. Jahrhundert betrug die Netto-Entwaldung, also die Differenz zwischen Waldverlusten und Waldflächenzunahmen durch Aufforstungen oder natürliche Wiederbewaldung rund 7,3 Millionen Hektar pro Jahr. Anstrengungen zum Schutz des Waldes, Investitionen in Aufforstungen sowie regionale Veränderungen in den Landnutzungsformen haben besonders ab der Jahrtausendwende zu einer drastischen Verringerung der jährlichen Entwaldungsrate geführt.

Diese an sich positive Entwicklung bedarf einer detaillierteren Betrachtung hinsichtlich der betroffenen Ökosysteme, Ursachen der Entwaldung und Unterschiede in den sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Ländern und Regionen, um daraus realistische Perspektiven für zukünftige Waldbewirtschaftung in Asien, Afrika und Latein Amerika ableiten zu können. Der vorliegende Artikel versucht dazu ein paar wesentliche Aspekte und Zusammenhänge herauszuarbeiten. Während in den letzten Dekaden die Waldfläche vorwiegend in den reicheren Ländern der gemäßigten Breiten kontinuierlich zugenommen hat und weiter zunimmt, sind Waldverluste hauptsächlich in armen Ländern der Tropen festzustellen. Ausnahmen sind rund 20 Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika, die ihre Ernährungssicherheit verbessern und dabei ihre Waldfläche halten oder sogar vermehren konnten. Zwölf dieser Länder (u.a. Algerien, Chile, China, Thailand und Vietnam) vergrößerten ihre Waldfläche sogar um mehr als 10%. Ein ernstzunehmendes Problem stellt auch die Degradierung von Wäldern dar, die in der globalen Waldinventur mittels des Überschirmungsgrades abgeschätzt wird. Ergebnisse zeigen, dass die Fläche degradierter Wälder zunimmt und je nach Region zwischen 6 und 13 Mal größer ist als die jährliche Entwaldungsrate in der gleichen Region. Die globalen Erhebungen zeigen auch, dass viele Länder zunehmend Waldflächen unter Schutz stellen (z.B. Nationalparks, Naturparks, Wildschutzgebiete). Inwieweit eine seitens des Staates angeordnete Unterschutzstellung meistens ohne entsprechende Ausstattung mit Personal und Infrastruktur wirksam ist, bedarf in vielen Fällen einer kritischen Hinterfragung.


Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Plantagen © redgrößer

Warum findet Entwaldung statt?

Sichtbare Zeichen der Entwaldung in den Tropen und Subtropen, die über die letzten 4-5 Jahrzehnte Landschaften großräumig verändert haben, sind nach Bedeutung (=Flächenanteil) gereiht folgende: Zunahme landwirtschaftlicher Flächen durch den vermehrten Anbau von Sojabohnen, Zuckerrohr und Ölpalme; Rinderzucht zur Fleischproduktion sowie Subsistenzlandwirtschaft durch Kleinbauern. Großprojekte zum Abbau von Bodenschätzen wie Zinn, Gold und Kohle; Bau von Staudämmen zur Energiegewinnung sowie Infrastrukturentwicklung (z.B. Straßen und Industrieanlagen). Unkontrollierte Waldbrände, die meist durch Brandrodung entstehen. Nicht nachhaltige Holznutzungen für die Gewinnung von  Wertholz, Brennmaterial und Holzkohle.

Die Ursachen, die zu dieser starken Veränderung in der Landschaft führten und noch weiter führen werden, liegen im starken Bevölkerungswachstum, weitverbreiteter Armut (fehlendes Einkommen), global steigende Nachfrage nach Energie und Konsumgütern (als Konsequenz steigenden Wohlstandes), sowie unzureichender staatlicher Strukturen und Regierungsführung (u.a. schwache Institutionen, Korruption) sowie  politischer Instabilität in den von Entwaldung stark betroffenen Ländern.


Afrika © Maierhofergrößer

Hat der Wald eine Zukunft?

Perspektiven der Waldwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika lassen sich kurz gefasst am besten an Hand von vier Landschaftstypen beschreiben, die sich in der Art ihrer Wald bzw. Baumausstattung und ihrem sozio-ökonomischen Umfeld grundlegend voneinander unterscheiden. Diese sind (a) Naturwälder; (b) Forstplantagen; (c) Mosaik-Landschaften („Agro-Wald-Baum“); und (d) Urbane Wälder. Naturwälder bilden den größten Teil der weltweiten Waldfläche, stehen aber besonders in den ärmeren Ländern der Tropen unter starkem Druck durch Umwandlung und Degradierung.  


Auf Grund dieser Trends werden auch in Zukunft Naturwälder flächenmäßig abnehmen, in andere Landnutzungsformen übergehen oder zu Sekundärwäldern mit veränderter Baumartenzusammensetzung mutieren. Neben einer nachhaltigen Wertholzproduktion spielen diese überformten Naturwälder auch eine entscheidende Rolle in der Bereitstellung wichtiger Umweltleistungen wie Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt, Lebensraum für Wildtiere, Quelle für Nahrung und Medizin. Die nachhaltige Vielfaltnutzung mit hoher Wertschöpfung und Vermarktung von Umweltleistungen eröffnet realistische Möglichkeiten zur zukünftigen Erhaltung von Naturwäldern. Obwohl Forstplantagen nur 7% der weltweiten Waldfläche ausmachen, produzieren sie einen großen Teil des Industrieholzes und spielen daher eine wichtige Rolle in der globalen Holz- und Zellstoffversorgung, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt der fortschreitenden Transformation hin zu einer nachhaltigen mehr „grünen“ Wirtschaftsweise (Bioökonomie).

Viele der Forstplantagen besonders in Lateinamerika sowie Süd- und Ostafrika bestehen aus eingeführten Baumarten. Besondere Sorgfalt und intensive Bewirtschaftung sind notwendig, um die Plantagen vor Krankheiten zu schützen sowie sie an den Klimawandel anzupassen. Der Aufbau einer neuen Generationen von Forstplantagen, die eine erhöhte biologische Diversität auf der Landschaftsebene aufweisen und sozialverträglicher bewirtschaftet werden, sind notwendig, um den steigenden Bedarf an holzbasierten Produkten zu decken. In den meisten dicht besiedelten Ländern der Tropen, die zu ihrer Ernährungssicherheit stark von (Subsistenz)Landwirtschaft abhängen, sind geschlossene Wälder kaum mehr zu finden oder als solche langfristig zu bewirtschaften.   Mosaik-Landschaften („Agro-Wald-Baum“) stellen daher oft die einzige Möglichkeit dar, Bäume in die Landschaft zu integrieren.


Da sich die Bevölkerung in Afrika bis 2050 verdoppeln wird, sind Investitionen in den Aufbau von stabilen Landschaften mit funktionieren Ökosystemen unabdingbar. Die zu pflanzenden Bäume müssen kurz- und langfristig Einkommen für Bauern schaffen. Neben dem Aufbau von Agroforstsystemen (i.e. Nutzung aller Vegetationsschichten: Gemüse/Gras, Sträucher, Bäume), die technisch in vielen Pilotprojekten erfolgreich umgesetzt wurden, ist die Entwicklung von Vermarktungs- und Wertschöpfungsketten für die Agroforstprodukte entscheidend. Der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Baumbestandes durch Kleinbauern kann nur über entsprechende Anreize und ökonomische Vorteile sichergestellt werden. Mehr als 50% der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Da dieser Anteil weiter steigen wird und immer mehr Megastädte mit Bevölkerungen jenseits der 10 Millionen entstehen, wird der Aufbau und die Bewirtschaftung von städtischer Vegetation hier als Urbane Wälder bezeichnet, immer wichtiger.


Unbestritten ist, dass urbane Wälder vielfältige Funktionen u.a. für das Stadtklima (z.B.: Staubfilter), den Lärmschutz sowie Erholung der Bevölkerung einnehmen. Hohe Investitionen für Aufbau und langfristige Erhaltung sind aber notwendig, um die intensive Pflege der Vegetation (z.B. Bekämpfung von Schädlingen; Bodenbearbeitung; Totholzbeseitigung) sicherzustellen.   Global gesehen hat die Bedeutung von Wäldern und Bäumen in der Wahrnehmung von Politik und Gesellschaft zugenommen. Daran haben auch globale Konventionen z.B. zum Klimaschutz (UNFCCC) oder Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) und andere internationale Politikprozesse einen großen Anteil. Initiativen zur Wiederherstellung degradierter Wälder und Waldlandschaften (z.B. Bonn Challenge und New York Declaration) mit ihren regionalen Prozessen verfolgen einen breiten Ansatz   nachhaltiger Landnutzung unter Einbeziehung der Bewirtschaftung und  Schutz von Wäldern und Baumvegetation. Die damit einhergehenden und bisher installierten nationalen und internationalen Finanzierungsinstrumente insbesondere für Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika geben Anlass zu Optimismus in Bezug auf die  langfristige Erhaltung und  nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern und Bäumen in diesen Regionen.


Autor: Maierhofer
20.12.2016, 16:01 MEZ

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