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Wirtschaftliches Handeln ist Basis der Waldleistungen

Rede von Dipl.-Ing. Richard Stralz bei der Jahrestagung des Steirischen Forstvereins am 9. September 2016

DI Richard Stralz © Maierhofergrößer Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf mich recht herzlich bei Ihnen für die Gelegenheit bedanken an Sie ein paar Worte zu richten und möchte bevor ich zu meinem eigentlichen Inhalt des Vortrags komme, kurz über die Mayr- Melnhof Holz Holding AG berichten.   Für alle die das nicht wissen, wir haben nunmehr sechs Werke davon drei Sägewerke und drei Weiterverarbeitungswerke. Unsere installierte Kapazität sind rund 3 Mio fm, rund 300.000 ccm BSH, BSP, 1 Mio m² Schalungsplatten, 6 Mio lfm Schalungsträger und rund 560 Mio Umsatz und investieren im heurigen Jahr ca. 40 Mio EUR in die Verbesserung und Erweiterung unserer Anlagen. Vielleicht kurz ein bisschen was zu den Märkten. Wie bewegen sich die Märkte, im Schnittholzmarkt kann ich Ihnen berichten, dass es ein sehr unterschiedliches Bild über die Welt gibt. Während Amerika boomt, für uns aber preistechnisch nicht erreichbar ist, ist es in Nordafrika - der Levante einem sehr wichtigen Markt – sehr sehr schwierig geworden. Der Grund ist auch sehr einfach, der Ölpreis ist massiv gefallen, die Einnahmen fehlen und daher fehlt auch das Geld zu investieren. In Fernost entwickelt sich Japan sehr gut. China immer wieder auf und ab, derzeit ein Auf mit der Menge aber ein Ab mit den Preisen. Auch damit begründet, dass Nordafrika und Levante schwächelt, werden Mengenströme nach China, Pakistan und Indien umgelenkt.


Wie geht’s in Europa?

Hauptmarkt der Österreicher – Italien – ist stabil nieder. Es sind da ganz zart Pflänzchen zu entdecken, dass sich der Bedarf ein bisschen erhöhen könnte aber die Mengen die schon einmal abgesetzt worden sind, sind in weiter Ferne. Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowakei, Polen, laufen sehr gut. Frankreich mittel und in England hat das Brexit natürlich zu einem Schock geführt.


Wie sieht das in der Weiterverarbeitung aus?

Hier erleben wir derzeit eine Sonderkonjunktur. Sowohl im BSH als auch dem BSP sind die Auftragsbücher sehr sehr gut gefüllt. Wehrmutstropfen hier ist sicher, dass die Versorgung mit gutem frischem Rundholz in den letzten Wochen sehr schlecht war und dadurch auch Aufträge nicht mehr ausgeliefert werden konnten. In der Schalung ein zweigeteiltes Bild. Die Schalungsplatte läuft Europaweit sehr sehr gut. Der Schalungsträger leider ebenfalls unter der Wirtschaftskrise der Ölfördernden Länder, hier ist der Markt zurückgegangen. Wenn man jetzt zusammenfassen kann: Im Vergleich zum Vorjahr überall Lichtblicke auch wenn die Levante wesentlich schlechter geworden ist. Gesamthaft gesehen ist der Markt aber positiv und wir gehen auch davon aus, dass sich das die nächsten Monate so entwickeln soll.   Ich darf nun zum vielleicht etwas schwierigen Titel meines Vortrags wirtschaftliches Handeln als Basis der Waldleistungen“ kommen. Ich habe auch einen Untertitel dazu, weil mir auch gesagt wurde, ich möge etwas mehr auf das Thema Sägeindustrie und Forst, Wald eingehen. Was braucht die Holzindustrie von den Forstbetrieben und Waldbesitzern? Was brauchen die Forstbetriebe und Waldbesitzer von der Holzindustrie um wirtschaftlich erfolgreich zu sein? Und die Unterfrage: Was brauchen wir gemeinsam? Gemeinsam denke ich, brauchen wir alle in der Wertschöpfungskette Holz den Konsumenten. Den Konsumenten der bereit ist, die jeweiligen Produkte aus Holz zu kaufen, dem es also im wahrsten Sinne des Wortes Wert ist, Wert in unsere Wertschöpfungskette einzufüllen. Das ist der wesentliche Punkt. Nur wenn alle in der Wertschöpfungskette Beteiligten am Ende ein Produkt zusammenbringen, welches dem Konsumenten gefällt und er es kauft, nur dann wird die Wertschöpfungskette funktionieren und nicht austrocknen. Dass das alles so funktioniert, dafür ist die wirtschaftliche und ressourcenschonende Arbeit in dieser Wertschöpfungskette absolut wesentlich. Wie vorhin ausgeführt, werde ich mich bei meinen weiteren Ausführungen auf den Beginn der Wertschöpfungskette bis zum Sägewerk konzentrieren. D.H vom Waldbesitzer, über den Ernteunternehmer, den Frächter bis hin zu Säge. Ich glaube, das passt für uns alle hier heute am allerbesten. Wir als Sägewerk sind gefordert, Schnittholz und Sägenebenprodukte unseren Kunden zur richtigen Zeit, in der geforderten Qualität und Menge zu einem marktfähigen Preis zu liefern. Unsere Kunden und unser Wettbewerb sind global. Wir müssen gegen europäische und außereuropäische Wettbewerber bestehen. Mit all unseren Standortvor- und Standortnachteilen. Unseren Kunden, ob in Europa oder dem Rest der Welt, ist es vollkommen egal ob wir hohe oder niedrige Personalkosten haben, ob der Strom teuer oder billiger ist, ob unser Rohstoff ausreichend vorhanden oder preisgerecht ist. Unsere Kunden wollen das Produkt, das sie bei uns bestellt haben, in der richtigen Qualität, zum vereinbarten Preis zum vereinbarten Zeitpunkt erhalten. Erfüllen wir das, werden wir verkaufen können. Ansonsten wird der Kunde beim Wettbewerb kaufen.


Erfolgskriterien

Wir alle müssen einfach die Fakten zur Kenntnis nehmen: Rundholz in Russland kostet heute keine 40 € frei Säge, Rundholz in Skandinavien keine 80 €, unsere Preise sind ja bekannt. Ich will hier und jetzt sicher keine Preisdiskussion beginnen, ich denke es ist eines sehr, sehr wichtig: der Preis in Russland ist halt so, nur, was können wir alle hier tun, um gegen diesen Wettbewerb mit ungleichen Waffen zu bestehen und dabei immer noch Spaß und Freude an unserem Beruf und Geschäft zu haben? Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht nur einer, wir brauchen mehrere dazu:
 

  • Produktivität und Kosteneffizienz in der Wertschöpfungskette: Wir müssen einfach alle Kostenpotentiale nutzen, von der Holzernte, über den Transport bis zur Verarbeitung und dem Verkauf. Ein Beispiel aus unserer Säge: früher wurden Schlussbriefe umständlich in einem System verwaltet, danach die Lieferscheine erfasst und die Abrechnung war abenteuerlich aufwendig. Heute verwenden wir den elektronischen Lieferschein und das Gutschriftsverfahren. Das heißt nach dem korrekten Erfassen des Schlussbriefes und dem korrekt erstellten Transportauftrag wird der Rest bis zur Gutschrift automatisch vom System erledigt, niemand muss noch eine Taste drücken!

  • Holz der kurzen Wege: Holz hat tolle Eigenschaften, jedoch auch manche die wirtschaftlich nicht vorteilhaft sind. Rundholz ist schwer und voluminös, frisches Schnittholz detto, das heißt Transportkosten sind ein wesentliches Element in der Kostenstruktur. Ein sündteurer Rundholz LKW hat einen Warenwert von rund 2.500 €, ein LKW beladen mit frischem Schnittholz bringt es auf 5.000 €, getrocknet kann es an die 8.000 € sein. Wenn man weniger als 10% Transportkosten haben muss, ergibt sich der natürliche Radius von alleine.

  • Umgekehrt gilt natürlich: je höher veredelt Holz ist, umso weiter kann es transportiert werden, ein LKW mit Brettsperrholz geladen hat schon rund 20.000 € Warenwert geladen. Darum gilt: Rundholz kann und darf nicht reisen, es muss sägewerksnah eingekauft werden

  • Intelligente Produkte mit know how: Österreich und hier im speziellen die Steiermark sind Vorreiter bei innovativen Produkten. Brettsperrholz, um nur eines zu nennen hat in den letzten Jahren einen Siegeszug angetreten. Nicht, weil es billiger als Ziegel oder Beton ist, nein, weil es gewaltige Vorteile in der Gesamtkostenbetrachtung bietet und dabei ein unschlagbares Wohn- und Arbeitsklima bietet. Wir bauen rund 3 Monate schneller als der schnellste Ziegel- oder Betonbau, wir haben bei derselben Grundfläche bis zu 10 % mehr Nutzfläche bei gleichen bauphysikalischen Eigenschaften und bieten dem Architekten jede Gestaltungsfreiheit, gefertigt in präziser CNC Qualität, millimetergenau!

  • Stärkung des regionalen Denkens: da sage ich nur: steirisches Holz für unsere Steirerinnen und Steirer aus steirischen Betrieben. Wir als waldreichstes Bundesland müssen uns einfach auf unsere nachhaltige Ressource besinnen und danach handeln

  • Politischer Wille zur Holzverwendung im öffentlichen Bereich: solange der Großteil der öffentlichen Gebäude ohne nachzudenken in Beton oder Ziegel ausgeführt wird, der größte Auftraggeber der Steiermark, die KAGES, bis vor kurzem eine 100% Nichtholzquote bei allen Neu- und Umbauten hatte, solange Bürgermeister sich nicht verpflichtet fühlen unseren heimischen Rohstoff einzusetzen, solange dürfen wir nicht nachlassen, das immer wieder einzufordern und auf allen Ebenen zum Thema machen. Das waldreichste Bundesland muss einfach die Nummer 1 in der Holzverwendung sein!

  • Autor: Maierhofer
    20.12.2016, 16:13 MEZ

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