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Kühler Kopf – heißes Herz

Adventtagung Graz zu Chancen und Risiken des Klimawandels für die Forstwirtschaft

Adventtagung 2017 © Robert Spannlanggrößer „Bin ich angesichts der Zeit im (Klima-)Wandel wohl in der richtigen Branche?“, mag sich so mancher Waldbesitzer auf der Adventtagung gefragt haben. Die Antwort von Assoc.-Prof. Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur fiel differenziert aus: Ja, Europa – und hier insbesondere Österreich – werde die klimatischen Auswirkungen des Treibhauseffektes stärker zu spüren bekommen. „Man wird nicht jedes Jahr einen Käfergipfel machen können. Wir werden mit Kalamitäten umgehen lernen müssen“, erklärte Seidl. Auch neue Schadorganismen werden durch den Klimawandel bei uns bessere Bedingungen vorfinden. Deren Auswirkung könne man jetzt noch kaum abschätzen.

Und doch ergeben sich auch Chancen für die Forstwirtschaft. „Wer sich heute etwas mehr an Bestandesstabilität um den Preis von etwas weniger Hektaertrag erkauft und bei Baumarten und Bewirtschaftungsweise differenziert, kann am Ende des Tages auch als Gewinner dastehen“, gab Rupert Seidl zu bedenken. So brächten höhere C02-Gehalt in der Atmosphäre insbesondere in den Hochlagen höhere Zuwächse.

Angesichts fallender Realerlöse stehe die Forstwirtschaft weiterhin unter Rationalisierungsdruck. „Wir werden wohl noch mehr Leistungen auslagern und weiterhin bei der Verwaltung und beim Personal einsparen müssen“, mutmaßte Gerhard Kamsker, Forstdirektor bei der Prinz von Croy’schen Forstverwaltung. „Ich glaube nämlich, dass wir seit den 1990er Jahren durch eine Verdichtung der Aufschließung unsere Effizienz mehr steigern konnten als durch die Fortschritte in der Forsttechnik“, ergänzte er. Bestandesumbau könne nicht einfach der Natur überlassen werden. Es werde in Zukunft forstliche Kompetenz auf der Fläche mehr denn je gefragt sein. Gerade in der heraufdämmernden Bioökonomie benötigten immer mehr grüne Wirtschaftszweige Holz als Rohstoff.

Fazit in Graz: Es wird künftig darauf ankommen, dass Forstleute auf Basis von Fachwissen Mut beweisen, aber durchaus auch emotionale Botschaften an die Gesellschaft kommunizieren können.


Autor: Robert Spannlang, aus Graz
27.11.2017, 21:03 MEZ

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