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Widerstandsfähige, stabile Waldbestände in Zeiten des Klimawandels

Von Dipl.-Ing. Stephanie Köttl, Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung

Veranstaltungsrückblick 24.Oktober 2017

Die Forstwirtschaft steht in Zeiten des Klimawandels vor großen waldbaulichen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen – von der Borkenkäferproblematik bis hin zur schwierigen Naturverjüngung. Wir haben deshalb die Verantwortung, für die kommenden Generationen vorausschauend zu gestalten. Das bedeutet vor Allem auch, die heimische Vielfalt zu nutzen und die natürlichen Waldleistungen zu fördern. Vielfältige Wälder können hierfür die nötige Stabilität und Resilienz unterstützen und gewährleisten.

Im Rahmen des Projektes „Wir schauen auf unsere Wälder!“ fand am 24. Oktober 2017 die Veranstaltung „Widerstandsfähige, stabile Waldbestände in Zeiten des Klimawandels – Heimische Vielfalt nutzen“ in der HBLA Bruck an der Mur statt. Bei spannenden Vorträge sowie einer Exkursionen in den Schulforst der HBLA Bruck und in die Naturwaldzelle „Weitental“ setzten sich die TeilnehmerInnenmit der Resilienz und Stabilität von Wäldern und einer Waldbewirtschaftung unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte auseinander.


Waldbauliche Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels

Dr. Rupert SEIDL von der Universität für Bodenkultur Wien widmete seinen Vortrag den aktuellen Herausforderungen des Klimawandels. Der Klimawandel ist heute ein global nachgewiesenes Phänomen, findet jedoch nicht global gleich statt. Insbesondere die Wälder im Alpenraum sind von den Klimawandeleffekten bereits überdurchschnittlich belastet und ein weiterer Temperaturanstieg bringt drastische Änderungen der Waldökosysteme mit sich.

Waldschäden werden zunehmend steigen und es wird angenommen, dass jährlich 1 Mio. Festmeter Schadholz in der EU zusätzlich auf den Markt kommt. Die steigenden Temperaturen begünstigen zudem die Verbreitung bereits heute etablierter, nicht heimischer Schadorganismen wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer und Kiefernpechkrebs. Durch den Klimawandel bis 2050 kommt es zu einer Vergrößerung des potentiellen Areals für die Kiefernschädlinge um bis zu 50 %.


Vielfältige Bestände verringern das Risiko

Klimawandelszenarien der Universität für Bodenkultur im Untersuchungsgebiet Kalkalpen zeigten, dass die Schadholzmenge in fichtenreichen Wäldern drastisch ansteigen wird. Vielfältigere Baumartenzusammensetzungen weisen eine deutlich geringere Schadholzmenge auf, die Anfälligkeit gegenüber Störungen wird deutlich reduziert. Bestände mit hoher Diversität können vorhandene Ressourcen besser ausnutzen, weil vielfältige Baumarten unterschiedliche Standorteigenschaften unterschiedlich aufnehmen. Diversität ist jedoch mehr als nur die reine Baumartenvielfalt, auch die Strukturvielfalt spielt hier eine wichtige Rolle und kann ein wichtiger Faktor hinsichtlich Produktivität sein.


Der Wald der Zukunft als „Stehaufmännchen“

Die Stabilität von Waldbeständen zeichnet sich durch zwei sehr wichtige Aspekte aus: Resistenz und Resilienz. Ersteres hat bereits eine lange Tradition in der Forstwirtschaft. Resistente Wälder zeichnen sich durch ein gutes Risikomanagement aus, können Impulse von außen abpuffern und das Risiko verringern bzw. vermeiden. Die Vermeidung von kleinen Ereignissen kann jedoch die Wahrscheinlichkeit für große Ereignisse erhöhen. Zukünftig muss man sich mehr Gedanken über die Resilienz von Waldbeständen machen. Resiliente Wälder können sich nach einem Ereignis rasch wieder erholen. Durch eine hohe Baumartendiversität steigt die Widerstandsfähigkeit von Wäldern, da negative Störungseffekte abgedämpft werden und der Wald sich wie ein Stehaufmännchen rasch erholen kann.


Die richtige Baumartenwahl – heimische Vielfalt oder gebietsfremde Arten

Dr. Georg Frank vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) stellte die heimischen und gebietsfremden Baumarten im Hinblick auf die zukünftigen klimatischen Änderungen gegenüber. Besonders bei der Einführung von gebietsfremden Arten müsse man nicht nur auf die Wuchsleistung, sondern auch auf die „Nebenwirkungen“ achten. Im naturnahen Waldbau kann die Mischung von heimischen und gebietsfremden Baumarten durch die komplementären Wirkungen sowie eine integrative Förderung der Vielfalt einen Erfolgsfaktor darstellen. Gebietsfremde Baumarten haben ihre Berechtigung am ehesten, wenn keine oder unsichere Alternativen heimischer Baumarten zur Verfügung stehen. Das mögliche Artenspektrum der in Betracht kommenden Bäume ist noch nicht zur Gänze geklärt. Besonders die Alternativen aus dem asiatischen Raum gilt es noch weiter zu erforschen. So sind vielfach die Schädlinge noch nicht bekannt. Und auch die Invasivität von Arten zeigt sich oft erst nach Jahrzehnten. Besonders die gebietsfremden, invasiven Arten reagieren bereits auf den Klimawandel und breiten sich immer mehr aus. Die vier gefährlichsten Arten sind die Robinie, der Eschenblättrige Ahorn, die Amerikanische Esche und die Paulownien. Klaus Wanninger vom Verein für Regionale Gehölzvermehrung betonte in seinem Vortrag die ökologische Bedeutung von speziellen Gehölzen wie Hasel, Dirndl oder Holler in den heimischen Waldökosystemen. Auch die heimischen Gehölze reagieren bereits stark auf den Klimawandel, so hat sich die Vollblüte vom Schwarzen Holler (Sambucus nigra) seit 1950 um bis zu vier Wochen nach vorne verschoben. Eine bewusste Wahrnehmung der heimischen Gehölze ist die Basis für das Verständnis einer sich ändernden Umwelt.

Genau an diesem Punkt setzt auch das Projekt „Wir schauen auf unsere Wälder!“ an. Im Rahmen des LE 2014-2020 geförderten Projektes beobachten seit 2015 rund 400 Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter in ganz Österreich die Vielfalt in ihren Wäldern und leisten somit einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Stärkung der Widerstandskraft unserer heimischen Wälder! WaldbewirtschafterInnen, die an dem Projekt teilnehmen möchten, erhalten kostenlos eine Waldökologische Beratung sowie Pflanzen- und Tiersteckbriefe im Wert von insgesamt € 320!

  Mehr Informationen zum Projekt:  http://www.biodiversitaetsmonitoring.at/ , Österreichisches Kuratorium für Landtechnik und Landentwicklung, DI Stephanie Köttl, stephanie.koettl@oekl.at; 01 505 1891-22


Autor: Stephanie Köttl
13.12.2017, 16:06 MEZ

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