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Regionalseminare des Steiermärkischen Forstvereins, 13.-14.3.2018

"Ein Festmeter ist mehr als ein Festmeter"

von Dipl.-Ing. Klaus Friedl, LK Steiermark

In Österreich werden jährlich rund 18 Millionen Festmeter Holz eingeschlagen. Dabei fallen rund 10 Millionen Festmeter Sägerundholz an, rund 3 Millionen Festmeter Industrieholz und etwa 5 Mio Festmeter Energieholz. Für die Vermarktung ist es unabdingbar, die Schnittstellen zwischen Wald und Werk – die Holzübernahme – nicht nur zur definieren, sondern auch zu leben. Seitens FHP – das ist die Kooperationsplattform zwischen Forstwirtschaft, Holzwirtschaft und Papier-/Zellstoffindustrie – ist hier bereits bedeutende Grundlagenarbeit geleistet worden. In weiterer Folge begleitet der von FHP eingerichtete Arbeitskreis „Werksübernahme“ mit nominierten Experten den Prozess der Übernahme und die Weiterentwicklung der Regelungen.


ÖHU anwenden

Mit den Österreichischen Holzhandelsusancen deren Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht, ist ein zentrales Werk geschaffen worden, dass die Rahmenbedingungen des Holzgeschäftes definiert. Die vollinhaltliche Geltung derzeit der „Österreichischen Holzhandelsusancen 2006“ (ÖHU) stellt die Basis eines guten Holzgeschäftes dar. Sie gelten automatisch, sofern sie nicht im Schlussbrief außer Kraft gesetzt werden. Mit Verlagerung der Holzvermessung vom Wald ins Werk war es notwendig ein Zusatzdokument zu entwickeln, das auch diesen Vorgang eindeutig definiert. Die ÖNorm L1021 stellt diesen Standard für die Vermessung von Sägerundholz dar, und wird durch den §19b der ÖHU zum verpflichtenden Standard.


Eichung als Neuanlage (MAWM) einfordern

Ein weiteres entscheidendes Instrument für die Schaffung von Vertrauen und Transparenz im Holzgeschäft ist die gesetzlich verpflichtete Eichung der Messanlagen für Rundholz. Hier gibt es zwei grundsätzliche unterschiedliche Anlagentypen. Während bei Altanlagen (Rundholzmessanlagen(RHMA)) lediglich die Messung des Mittendurchmessers und der Länge, sowie die Volumsfeststellung der Eichung unterliegen, wurden neue Möglichkeiten zur Eichfähigkeit der Bestimmung von Abholzigkeit, Krümmung und Zopfdurchmesser gesucht. Aufgrund des technischen Fortschritts wird eine Vielzahl von Messungen durchgeführt. Durch das Maß- und Eichgesetz von 2010 und den dazugehörigen Eichvorschriften wurde die Eichung auf eine neue Basis gestellt. Die Messanlagen unterliegen jetzt der Eichpflicht für Messanlagen zur Ermittlung wertbestimmender Merkmale von Rundholz (MAWM). Das heißt folgende Parameter können geeicht ermittelt werden, und dürfen somit in dieser Form verwendet werden:    


Grafik.JPG © Maierhofergrößer

Da es im Gegensatz zu den ÖHU und zur ÖNorm L1021 Übergangsfristen für die Umsetzung der neuen Eichvorschriften 2023 gibt, ist die Umstellung auf die neue Eichung als Messanlage zur Ermittlung wertbestimmender Merkmale von Rundholz (MAWM) in den Sägewerken noch nicht flächendeckend umgesetzt. Rund 50% der Sägewerke sind bis dato umgestellt.


FHPDAT - Elektronischer Datenstandard

Vollständige und zeitnah übermittelte Abmaßdaten als Einzelstammprotokoll im FHPDAT Datenstandard als .xml – Datei runden ein gutes Holzgeschäft ab. Für die Übernahme weiterer Sortimente wurden im Arbeitskreis Werksübernahme weitere Standards in Form der Richtlinie zur Gewichtsvermessung von Industrieholz (gültig seit 1.1.2015), sowie der Richtlinie zur Übernahme von Energieholz nach Gewicht und Energieinhalt (gültig seit 1.3.2016) entwickelt.


Regel für ein gutes Holzgeschäft:

·         Das Abmaß muss außer Streit gestellt werden. – Definierte Qualitäten in den ÖHU müssen eingehalten werden. Eine Abgeltung durch den Preis schmälert die Bedeutung der Richtlinien.
·         Regelwerke und Richtlinien sind dazu in großem Umfang vorhanden. Es liegt bei jedem einzelnen Verkäufer, diese auch umzusetzen. Basis bieten die Österreichischen Holzhandelsusancen von 2006. Im Holzgeschäft ist die vollinhaltliche Gültigkeit Grundvoraussetzung.
·         Schriftlicher Vertrag – Obwohl in Österreich grundsätzlich Formfreiheit bei der Vertragsgestaltung besteht, empfiehlt es sich zur Dokumentation der Verhandlungsergebnisse ausschließlich auf schriftlich abgefasste Verträge zu bestehen. Seitens FHP werden Musterverträge zur Verfügung gestellt die auf die aktuelle Gegebenheit anzupassen sind.
·         Die Kontrolle der Werksübernahme rundet ein gutes Geschäft ab. Hier wird nicht nur die Plausibilität der Übernahme kontrolliert, sondern auch die eigene Arbeit (Sortierung, Ausformung, etc.) begutachtet.
·         Abmaßdaten sind im FHP Datenstandard zu übermitteln und in geeigneten Systemen zu analysieren.
·         Aus- und Weiterbildung im Bereich Holzübernahme. - Wissen ermöglicht die Analyse der Abmaßdaten, sowie eine mögliche gemeinsame Übernahme im Sägewerk. (Persönliche Anwesenheit bei der Übernahme als Stichprobe durchführen)
·         Alle Dokumente sind unter https://forstholzpapier.at/index.php/publikationen/werksuebernahme im Internet verfügbar.


Downloads

Friedl_Aktuelle technische Entwicklungen bei der Holzübernahme

Autor: Maierhofer
27.03.2018, 13:40 MEZ

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