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Zweitbestes Ergebnis statt möglichen „Desasters“

Erträge aus Immobilien und Erneuerbaren Energien legten stark zu

Freidhager_Schoeppl © APAgrößer Ein Tornado, vier Stürme, und viel Käferholz betrafen im Vorjahr die Österreichischen Bundesforste (ÖBf). Eigentlich mussten die Journalisten auf der Budgetpressekonferenz ein desaströses Jahresergebnis der ÖBf erwarten. Die Vorstände präsentierten allerdings, gut gelaunt, das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte: Das EBT stieg 2017 um 38% auf 29,8 Mio. €.

Kaum beim Holzpreis eingebüßt

„Beim Rundholz mussten wir etwas Federn lassen“, bedauerte Vorstandssprecher Dr. Rudolf Freidhager und fügte aber gleich hinzu: „Trotz des hohen Schadholzanteils von 46% konnten wir die Ernte unter der Hiebsatzgrenze von 1,5 Mio. fm/J halten. Und zweitens schafften wir es, den Rundholzpreis zumindest bei durchschnittlich 72 €/fm frei Waldstraße zu stabilisieren.“ „Nicht auszudenken, wenn in einer Situation, wie 2017, der Markt nicht so gut gelaufen wäre. Die Kunden brauchten das Holz“, sponn Freidhager den Faden weiter. „Im August 2017 wurden wir auf einmal mit Preisreduktionswünschen um 15 €/fm konfrontiert – da haben wir nicht mitgemacht. 2017 zeigte, wie instabil der Holzmarkt ist.“


Kurs „Preis halten“

Das 2017er-Preisniveau ist auch die Maßgabe für heuer. „Diesen Kurs halten wir noch so halbwegs“, erklärte Freidhager auf der Pressekonferenz. „Das passt auch: Die Holzindustrie verdient ordentlich Geld, sodass wir kein schlechtes Gewissen bei konstanten Preise haben müssen.“

Finanzvorstand Georg Schöppl musste 2017 hinnehmen, dass der Rundholzpreis „um 7 €/fm tiefer lag als 2014. Das wären für uns um über 6 Mio. € weniger. Im Holzverkauf verloren wir 2017 um 0,9% auf 131 Mio. €. Das konnten wir nur ausgleichen, weil wir die Sparten abseits von Forst/Holz ausbauen konnten.“ Die Betriebsleistung der ÖBf klettere um 4% auf 235,6 Mio. €, das EBT legte sogar um 38 % auf 29,8 Mio. € zu.“ Im Vorjahr lag die Umsatzrendite bei 14 %. 10 % im Schnitt hält Schöppl für möglich und nötig, „um weitere Substanz aufzubauen“.


Größer als die Bayern?

Unerwähnt blieb auf der Pressekonferenz, dass die ÖBf damit möglicherweise ein besseres Betriebsergebnis als die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) einfahren könnten. Letzere gaben erst vor zwei Wochen ein Art Gewinnwarnung heraus: Ergebnishalbierung zum Vorjahr möglich. Pikant ist dabei, dass Freidhager von 2005 bis 2015 BaySF-Vorstandsvorsitzender war. Die BaySF sind mit einem Normaleinschlag von rund 5,2 Mio. Efm gut dreieinhalbmal so groß wie die ÖBf.


Immobilien und Energie legen zu

Die Immobiliensparte legte um 4 % auf „erstmals über“ (Schöppl) 45 Mio. € zu. „Das ist eine Verdreifachung seit 1997“, skizziert Schöppl die Relationen. Der steirische Windpark Pretul lieferte im „ersten Volljahr“ um 28 % mehr Strom, als budgetiert. Nicht zuletzt deshalb verdoppelte sich die Sparte „Erneuerbare Energien“ auf immerhin 18,4 Mio. €. Hinzu kommt der Ertrag aus mittlerweile acht Kleinwasserkraftwerken.

Mitte 2019 läuft das Förderregime für das Biomasseheizwerk Simmering aus. „Was dann kommt, ist völlig offen. Wenn die Förderung komplett wegfällt, legen wir das Werk still“, bekräftigt Freidhager aber. So weit ist es noch nicht: „Wir machen Vorschläge für das Weiterbestehen der Anlage – in unterschiedlichen Größenordnungen.“ 30.000 Atrotonnen „fängigen“ Borkenkäfermaterials allein aus dem Waldviertel wurden im Vorjahr in Simmering verbrannt. Biomasseheizwerke leisten also auch Beiträge zur Waldhygiene“, postuliert der Noch-Biomasse-Präsident Freidhager.


Abkoppeln vom volatilen Holzmarkt

Die Diversifizierung abseits des Holzverkaufes wollen die Vorstände weiter vorantreiben. Sinkt der Holzpreise heuer, könnte erstmals überhaupt der Holzverkauf zu weniger als 50 % zum Betriebsergebnis beitragen. „Wir werden weiterhin unsere Immobilien erneuern und vermieten und die Erneuerbaren Energien ausbauen“, gibt Schöppl bekannt. Das wird auch im neuen Unternehmenskonzept bis 2025 so drinnen stehen.


Fichte rückt rauf

Ins „Konzept 2050“, das auch die waldbaulichen und jagdlichen Belange berücksichtigt, wird Freidhager hineinschreiben: „In Tieflagen (400 bis 500 hm) wird die Fichte nicht mehr in großem Stil bestandesbildend sein. Dafür wird nach oben hin der Fichtenanteil eher zunehmen. Unten setzen wir mehr auf trocknungsresistentere Holzarten, wie Buche und Eiche beziehungsweise Lärche, Tanne und Douglasie.“


Bis 20 Mio. € Ergebnisverschlechterung wegen des Klimawandels

Freidhager beziffert den Verlust aufgrund des Klimawandels für die ÖBf mit 15 bis 20 Mio. €/J. Den Löwenanteil der Rückgangs machen mit rund 25 €/fm oder rund 12,5 Mio. €/J die Mindererlöse durch Schadholz aus. Über 3 Mio. €/J an Kosten kommen für die Käferbekämpfung noch dazu. „Das wird nicht besser werden. Die ÖBf müssen mit 50 % Schadholz pro Jahr planen“, bedauert Freidhager. „Im Plan“ sieht Freidhager sein Unternehmen bei der Reduzierung der künstlichen Verjüngung. Wurden 2007 noch 3,8 Millionen Pflanzen aufgeforstet, so waren es im Vorjahr „nur noch“ 2,1 Millionen. Auf 1 Million will man bis 2025 kommen.


Autor: Gerd Ebner
29.05.2018, 09:01 MEZ

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