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Klimawandel real

"Forstbetriebe können von Esterhazy-Erfahrungen profitieren"

Gruen_Matthias_2016 © Esterhazygrößer In seinem 22.000 ha großen Wald hat sich flächiges Fichtensterben schon in den 1990er-Jahren vollzogen. „Damals wurde die Fichte in den unteren Lagen völlig eliminiert. Die flach wurzelnde Fichte ist halt leider der erste Gradmesser für den Klimawandel. Wir mussten lernen, uns baumartenmäßig neu aufzustellen – vielfach begann es wirklich mit Pionierbaumarten, wie der Birke oder Aspe. Vielleicht können andere nun von dem profitieren, was wir in unserem 15-jährigen Transformationsprozess erfahren haben: Waldhygiene halten und Diversität erhöhen. Nicht jeder kann sich aufgrund des Sortenfalls die Bewirtschaftung von 30 Holzarten leisten, so wie wir. Man sollte aber möglichst breit agieren.“ Bei Esterhazy sorgt man dafür, dass der Wurzelraum tunlichst differenziert erschlossen wird. Das schließt Reinbestände fast aus. „Im richtigen Mischverhältnis kann sich die Fichte auch künftig in den mittleren Lagen unseres Revieres halten, das von 200 bis 750 m reicht.“


"Flächige Probleme mit der Fichte traten bei uns vor 25 Jahren auf. Die Transformation in stabilere Wälder dauerte 15 Jahre. Die gegenwärtig betroffenen Betriebe können von diesen Erfahrungen profitieren."

Matthias Grün, Direktor Esterhazy Betriebe


Resistente Tanne

Als extrem resistent gegenüber Trockenzeiten erwies sich die Tanne, deren Anteil bei Esterhazy steigt. Ansonsten müsse man flexibel sein: „Standörtlich wechseln die Verhältnisse stark. Da kann es auch Buchen- oder Nadelreinbestände geben. Wo die Tanne über die Naturverjüngung kommt, sorgen wir mit dem Gewehr dafür, dass sie weiter aufkommen kann. Wir sind ein Naturverjüngungsbetrieb. Daher muss sich die Tanne ohne Schutz verjüngen können. Alles andere macht ökologisch und ökonomisch keinen Sinn.“


Schadflächen sind auch Äsungsflächen

Die Wildproblematik ist in einem solchen Veränderungsprozess ständig präsent. „So zynisch es klingen mag: Die neuen Äsungsmöglichkeiten auf den Kahlflächen sorgen kurzfristig für eine Entlastung des übrigen Waldes.“

Hohe Wertschätzung gibt es bei Esterhazy mittlerweile für die Lärche und die Douglasie. Die Baumartenvielfalt fasst Grün grundsätzlich so zusammen, dass es in allen Höhenlagen viel mehr Laubbaumarten gebe – bis hin zur Baumhasel und zum Tulpenbaum, der bei Esterhazy die sterbende Esche ersetze.

Überhaupt ist Grün für die Prüfung der Baumarten: „Selbst die Fichte ist eine extrem breite Spezies. In Rumänien gibt es hervorragende Beispiele für trockenresistente Fichten.“ Für ihn seinen auf ausgewählten Standorten invasive Baumarten, wie der Götterbaum oder die Robinie, „wirtschaftlich interessant – warum nicht?“.

Bei Esterhazy wurde die Umtriebszeit der Fichte auf 80 Jahre reduziert. „Bei einer längeren Umtriebszeit ist das Betriebsrisiko zu hoch. Fichte ist aber immer noch notwendig, das es bei ihr im Unterschied zu vielen anderen Holzarten auch in jungen Jahren schon schöne Erträge gibt.“


Gebirge mit Vorteilen

In weiten Teilen Niederösterreichs sei die Fichte fernab des Wuchsoptimums. „Das wissen alle. Jetzt muss man sich darauf einstellen, dass die vergangenen Erträge kaum noch zu erwirtschaften sind.“ Nördlich der Donau kann man laut Grün noch reagieren, ebenso in Deutschland. In Tschechien sei die Schadholzlawine aber schon zu groß, die ließe sich kaum noch stoppen.

Mittelfristig werde Österreich mit seinen Fichten-Beständen in Hochlagen „noch interessanter werden“. Kurzfristig gebe es nun aber Probleme bei den minderen Qualitäten. „Hier ist es schwer, vernünftige Preise zu erzielen. Frischholz ist aber gesucht und attraktiv.“


Biomasse kann Käferzucht sein

Der heurige Sommer war um 4° C wärmer als der langjährige Durchschnitt. „Man erkennt die Größe der Veränderung, wenn man bedenkt, dass zwischen Weiß- und Rotweinlagen nur 1° C Unterschied liegt. Ich fürchte, dass das heuer kein Jahrtausendsommer war, sondern wir lernen müssen, mit der Veränderung zu leben.“ Häufigere Starkregen und Stürme seien weitere Folgen.

Grün erkennt im Biomasse-Boom teilweise einen phytosanitären Bumerang: „Die Biomasselager sind viel zu nahe am Wald beziehungsweise liegt das brutfähige Material im Wald. So gibt es immer einen sehr hohen Käfer-Grundstock.“ Das Nadelöhr Logistik tue ein Übriges: Das geerntete Holz liege zu lange im oder nahe dem Wald. „Speziell die Bahnlogistik wurde über Jahre viel zu sehr ausgedünnt. Der Holzfluss muss aber verbessert werden. Wenn wintergeschlägertes Holz bis in den Sommer im Wald lagert, ist das neben Qualitätsverlust auch Käferzucht.“

Wo es mangelt, zeige sich in der Praxis ganz klar. „Wenn Harvester in Toplagen statt 100 fm auf einmal 300 fm machen, bringt das gar nichts, weil danach alles stockt.“


Autor: Gerd Ebner
17.10.2018, 08:39 MEZ

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