www.timber-online.net

Meldungen // Timber Online
 // Rundholz/Wald

Der lange Atem wird kürzer

Waldumbau ist vielerorts kein „Soll“ mehr, sondern ein „Muss“

Die traditionelle Adventtagung der Land & Forst Betriebe Steiermark in Graz – bekannt für gutes Gespür bezüglich forstlich brisanter Themen im Land und daher in der Branche weit über die Grüne Mark hinaus beachtet – stellte sich konsequenterweise am 26. November der forstlichen Causa prima: dem Klimawandel. Die einst so monolithisch wirkende Forstwirtschaft hat durch den vom Klimawandel aufgezwungenen Waldumbau in vielen kolinen Höhenlagen im Land mit eigener Substanzerhaltung alle Hände voll zu tun.

Adventtagung_2018 © DI Robert Spannlanggrößer Im Zuge der Globalisierung und des damit verbundenen Verdrängungswettbewerbes seien vor allem kleine und mittelständische Sägewerke unter Druck geraten und viele von ihnen bereits vom Markt verschwunden, konstatierte Paul-Josef Colloredo-Mannsfeld als Vertreter der Waldbesitzer unter den Vortragenden. Das bedingte aber auch die Entstehung von Branchenriesen in der Sägeindustrie und eine entsprechende Machtposition bei der Preisgestaltung. „Die Kalamitäten haben diese Disparität noch verschärft“, ergänzte Colloredo-Mannsfeld. Nun müsse ein struktureller Ausgleich geschaffen werden – einerseits durch anbieterseitige Kooperationen, andererseits durch die Diversifikation forstlicher Produkte. Aber die Suche nach neuen Standbeinen für den Forst und die damit verbundene Schwächung der Kernkompetenz Holzproduktion könnten auch mit einer Schwächung innerhalb der Branche und der Interessenvertretung einhergehen, warnte er und fügte hinzu: „Das ist ein Teufelskreis!“ Dem öffentlichen Druck auf den Grundbesitz könne vor allem dadurch begegnet werden, dass in einem verstärkten, gemeinsamen Auftreten der Waldbesitzer Ökosystemleistungen des Waldes und deren monetäre Abgeltung weiter forciert würden, schloss Colloredo-Mannsfeld.


Kumulierte Wetterereignisse

„Jeder Grad Erhöhung der sommerlichen Mitteltemperatur ist gleichbedeutend mit einem erhöhtem Energiegehalt der Atmosphäre und damit direkt verantwortlich für das gehäufte Auftreten kumulierter Wettereignisse – also Starkregen in Verbindung mit Starkwinden“, betonte Univ.-Prof. Gottfried Kirchengast vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz. Begleiterscheinungen wie Waldbrände, Spätfröste und Dürre dürften die Waldbesitzer künftig ebenfalls in Atem halten. Die Frage werde sein, ob man den beherzten Klimaschutz hierzulande schaffe oder nicht. Bisher deute wenig darauf hin. „In den vergangenen beiden Jahren hat der CO2-Ausstoß in Österreich nicht ab-, sondern zugenommen. Der vorliegende Entwurf des Klimaschutz-Umsetzungsplans hat gezeigt, dass es so aus wissenschaftlicher Sicht unmöglich ist, das Ziel von –36% jährlichem CO2-Ausstoß auf Basis 2005 zu erreichen, lautete die düstere Prognose des Forschers.

Er gab den Waldbesitzern noch einen durchaus ernst gemeinten Rat: „Sie müssen aktiv werden und sich mit Ihren forstlichen Botschaften einmischen, sich bei Politikern Gehör verschaffen. Mit den Agrarproduzenten sind Sie vor allem Klimaschutzwirte in diesem Land.“


Autor: DI Robert Spannlang
18.12.2018, 07:24 MEZ

Artikel druckenArtikel mailen