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Referenten und Preisträger des Grünen Nachwuchspreises © Maierhofergrößer

Regionalseminare des Steiermärkischen Forstvereins

Freizeitnutzungen im Wald und deren ökonomische Verwertbarkeit

Die öknomische Verwertbarkeit von Freizeitnutzungen im Wald war Thema der diesjährigen Regionalseminare und wurde von den Referenten DI Dr. Dieter Stöhr, DI Gregor Grill, DI Franz Lanschützer und Mag. Dr. Gerhard Putz verschiedenen Seiten beleuchtet.

Freizeitnutzungen – wie kann es funktionieren?

D.I. Dr. Dieter Stöhr, Landesforstdirektion Tirol
In Tirol hat der Interessensausgleich bei Freizeitnutzungen im Naturraum eine lange Tradition, bereits Mitte der 1970er Jahr wurden erste Projekte zur Gestaltung des Waldes als Erholungsraum vom Landschaftsdienst im Tiroler Landesforstdienst umgesetzt. Die Ausrichtung dieser Projekte hat sich laufend den wechselnden Erfordernissen angepasst. Heute erleben viele Natursportarten einen regelrechten Boom und sind  untrennbar mit dem  Image des „Sportlandes“ Tirol verbunden und für Touristen und Einheimische gleichermaßen von Bedeutung. Die zunehmende Raumnutzung durch ein Vielzahl von Natursportarten führt allerdings zunehmend auch zu Konflikten. Daher hat die Tiroler Landesregierung den Landesforstdienst im Jahr 2014 beauftragt, ein Programm  zur Regelung von Konflikten bei Natursportarten auszuarbeiten. Wesentliche Ziele des Programmes sind:

  • Regelung von Konflikten bei allen Natursportarten

  • Dialog aller Naturnutzer

  • Lenkung der Sportler und Erholungssuchenden  falls nötig - durch gezielte  Angebote.


  • Partner des Programmes, die auch Ausrichtung und Themen mitbestimmen und das Programm auch mitfinanzieren sind: Landwirtschaftskammer Tirol, Tiroler Jägerverband, Wirtschaftskammer und Österreichischer Alpenverein. Zusätzliche Partner werden bei einzelnen Themen miteinbezogen. Die bestehenden Strukturen  des Landschaftsdienstes werden genutzt, um die im Rahmen des Programms erarbeiteten Konzepte lokal umzusetzen.
    Für die bedeutendsten  Natursportarten werden eigene Konzepte und Lösungsstrategien im Rahmen von Arbeitskreisen mit allen Beteiligten erarbeitet.


    Sportklettern/Klettersteige

    Der Landschaftsdienst fördert die  Einrichtung/Sanierung von Klettergärten und Klettersteigen sowie die notwendigen Begleiteinrichtungen  unter folgenden Voraussetzungen:

  • ·         Nutzungsverträge mit Grundeigentümern
  • ·         Regelung der Zugangswege und Parkplätze
  • ·         Bei Bedarf geologisches Gutachten
  • ·         Einrichtung nach Qualitätshandbuch Klettern
  • ·         Bei Klettersteigen auch naturschutzrechtl. Genehmigung


    56 Klettergärten und 33 Klettersteige wurden vom Landschaftsdienst in den letzten Jahren gefördert und entsprechen diesen Standards

  • Wandern

    Schwerpunkt der Förderung liegt hier seit Jahren beim Ausbau und Sanierung bestehender Wanderwege, in letzter Zeit wird besonderer Wert auf den Bau behindertengerechter Wege gelegt. Ganz aktuell wird derzeit gemeinsam mit Landwirtschaftskammer Tirol, Tirolwerbung und Alpenverein  an der Besucherlenkung auf Almen gearbeitet (Verhaltenscodex, Versicherung, …).


    Tiroler MTB-Modell 2.0

    Seit 1997 werden MTB-Routen durch Nutzungsübereinkommen zwischen Wegerhaltern un d Tourismusverbänden/Gemeinden freigegeben. Die Bestandteile des Tiroler MTB-Modells:

  • Nutzungsübereinkommen  in denen der Weg für das Radfahren freigegeben und gleichzeitig  Haftungsrisiken , die im Zusammenhang mit dem Radfahren entstehen, vom Wegerhalter auf TVB/Gemeinde übertragen werden .

  • Einheitliche Beschilderung für MTB Routen und Singletrails (Leitsystem)

  • Einheitliche Schwierigkeitsklassen für MTB Routen und Singletrails

  • Verhaltensregeln

  • Subsidiäre Haftpflichtversicherung und Rechtsschutzversicherung des Landes für Wegerhalter und Bewirtschafter der Wälder und Almen - umfasst auch Tierhalter- und Waldrandhaftung

  • Förderung des Entgelts für die Einschränkung im Eigentumsrecht

  • Förderungen für den Bau von Singletrails


  • Aktuell hat Tirol ein Netz an 6.000 km MTB-Routen und 300 km Singletrails anzubieten, das auf www.radrouting.tirol und über OGD veröffentlicht wird. Die Eigenschaften als MTB-Route/SIngletrail sind auch vollständig in den amtlichen Verkehrswegegraf (GIP) integriert.


    Ski und Snowboardtouren/Freeride

    Basis der Strategie ist das Ski- und Snowboardtourenkonzept, das bei  der Lenkung von Freeridern in  Skigebieten etwas adaptiert wird. Da das Skifahren im Wald mit Ausnahmen der Verjüngungsflächen, im Bereich der Aufstiegshilfen  und der jagdgesetzlich normierten Wildruhezonen prinzipiell gestattet ist, werden in den lokalen Projektgebieten unter Einbindung aller Beteiligten (Grundeigentum, Jagd, Forst, AV,…) Schutzzonen ausgeschieden, in denen freiwillig auf das Befahren verzichtet wird. Der Landesforsdienst stellt den lokalen Arbeitskreisen  hierzu einheitliche Planungsgrundlagen (Verlauf der Skitouren, Fütterungsstandorte, Habitate von Rauhfußhühnern,…)  zur Verfügung, die mit dem lokalen Wissen ergänzt werden. Die gemeinschaftlich erarbeiteten Lenkungsmaßnahmen (Parkplätze, Schitourenschneisen, Leitsysteme,..)werden vom Land Tirol gefördert.  Die lokal erarbeiteten Schutzzonen werden  vom Landesforstdienst via OGD an Tourenplattformen weitergegeben.
    Derzeit werden Lenkungsmaßnahmen in folgenden lokalen Projekten umgesetzt:

  • ·         Sellraintal
  • ·         Villgratental
  • ·         Brixental- Woipertouringer
  • ·         Obernbergtal
  • ·         Tux-Lanersbach

  • Erfolgsfaktoren

    Auf Grund der Erfahrungen des Tiroler Forstdienstes bei der Lenkung von Natursportarten lassen sich folgende Bausteine für eine erfolgreiche  Lenkung identifizieren:

  • Jede Natursportart braucht eine eigene Strategie

  • Diese Strategie muss mit den Sportausübenden und deren Gegnern gemeinsam erarbeitet werden

  • Konkrete Angebote müssen auf lokaler Ebene entwickelt  werden, damit sie für die Zielgruppe vor Ort passen

  • Für die Kommunikation müssen die Kanäle der  Zielgruppe verwendet werden

  • Eine Koordinationsstelle für „Interessensausgleich bei Natursportarten“  im Land ist nötig

    Copyright: Land Tirol
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    Downloads

    Stöhr; Freizeitnutzungen in Tirol - Wie kann es funktionieren?
    Grill, Lanschützer; Freizeitnutzungen im Wald - Was darf es kosten?
    Putz; Freizeitnutzungen im Wald - Was ist zu beachten?

    Autor: Maierhofer
    19.03.2019, 17:06 MEZ

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