www.timber-online.net

Meldungen // Timber Online
 // Rundholz/Wald

Waldschutzsituation 2018

Der Waldschutz in Österreich kämpfte 2018 mit ähnlichen Problemen wie im Vorjahr: Überdurchschnittlich warme Wetterlagen und Dürrephasen einerseits und folgenschwere Stürme andererseits bestimmten die Situation und führten abermals zu Borkenkäferschäden in Rekordhöhe. Auch Kiefern- und Tannenschädlinge traten negativ in Erscheinung. Im Weinviertel kam es zu einer auffälligen Massenvermehrung des Schwammspinners. Wichtigste Pilzkrankheit war weiterhin das Eschentriebsterben, das sich jedoch regional ungleichmäßig entwickelte.

In Österreich werden Waldschäden im Rahmen der „Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren“ (DWF) pro Kalenderjahr erhoben. Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) führt die DWF durch und analysiert die Daten. Die Ergebnisse basieren auf den Erhebungen der Bezirksforstdienste ganz Österreichs. Im Fokus des Schätzverfahrens steht die physiologische Schädigung, ungeachtet einer folgenden Kalamitätsnutzung. Daher liegen die Daten bei Schädigungsfaktoren, die zum Absterben von Bäumen führen, in Vorratsfestmeter vor, ansonsten als Schädigungsfläche in Hektar. Die Zuordnung erfolgt zum Jahr des Auftretens der Schädigung.


Klimatrend im Norden stärker als im Süden

Laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) hielt der Klimatrend der vergangenen Jahre an: 2018 war in der 252-jährigen Messreihe das wärmste Jahr mit einem Plus von 1,8 °C über dem langjährigen Mittel (1981-2010). Bezeichnend waren dabei die Anzahl und Kontinuität der überdurchschnittlich warmen Wetterlagen mit extrem vielen Sommertagen (Höchstwert über 25 °C). Die Abweichungen des Temperaturmittels für 2018 waren in den Regionen nördlich des Alpenhauptkamms höher als inneralpin und im Süden. Eine Zweiteilung war auch bei den Niederschlägen erkennbar: Sie fielen einerseits sehr niedrig aus, besonders in Vorarlberg, im nördlichen Salzburg sowie in Ober- und Niederösterreich, und lagen dort bis zu 40% unter einem durchschnittlichen Jahr. Andererseits gab es im südlichen Bundesgebiet ausgewogene und auch überdurchschnittliche Niederschlagsmengen, die aber häufig als heftige Regenfälle in kurzer Zeit fielen. Überschwemmungen und Vermurungen waren die Folge. So meldeten die Forstdienste zunehmende Schäden durch Muren (22.000 fm). Im Norden Österreichs waren alle Monate außer Januar, Oktober und Dezember deutlich zu trocken. Im Süden fielen lediglich die Monate ab Mai trocken bis extrem trocken aus.


Zunahme von Sturm- und Schneeschäden

Waldschutzsituation2_Web © BFWgrößer Die Sturmschäden beliefen sich auf 4,2 Mio. fm – eine Zunahme von knapp 20% gegenüber 2017 und nach den Rekordstürmen 2007 und 2008 die höchste Schadensmenge. Hauptereignis neben einigen Föhnstürmen war das Sturmtief „Vaia“ Ende Oktober. Besonders betroffen waren Kärnten (1,6 Mio. fm), die Steiermark (930.000 fm) und Tirol (630.000 fm). Aber auch aus Ober- und Niederösterreich sowie Salzburg meldeten die Forstdienste hohe Sturmschäden. Selbst in Vorarlberg fielen 170.000 fm an. Die Schäden durch Schnee nahmen gegenüber 2017 zu, befanden sich aber auf niedrigem Niveau (113.000 fm). Ein Anstieg wurde bei Lawinenschäden gemeldet.


Borkenkäferschäden abermals auf Rekordhoch

Die Forstdienste meldeten Borkenkäferschäden von 5,2 Mio. fm für Österreich. Damit wurde der Rekordwert des Jahres 2017 um fast die Hälfte übertroffen. Die höchsten Käferschäden wies Niederösterreich auf (3,3 Mio. fm). Besonders betroffen waren dort die Bezirke des Waldviertels, wo sich Schäden durch den Buchdrucker (Ips typographus) gegenüber 2017 fast verdoppelten. Aus Oberösterreich wurden knapp 1 Mio. fm Borkenkäferholz gemeldet, was ebenfalls der annähernd doppelten Schadmenge gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders bemerkenswert war der Anstieg der Käferschäden in Vorarlberg: Die dort verzeichnete Schadmenge von 37.000 fm scheint im Bundesvergleich gering, stellt aber eine Verdoppelung sehr niedrigen Schäden des vergangenen Jahrzehnts dar. Einen deutlichen Rückgang beim Käferholz zeigten dagegen die Meldungen der Forstdienste von Kärnten (272.000 fm), der Steiermark (257.000 fm) und Salzburg (120.000 fm) an. Nahezu unverändert blieb die Borkenkäfersituation im Burgenland (131.000 fm) und in Tirol (118.000 fm). Das bundesweite Borkenkäfermonitoring zeigt anhand der Fangzahlen klar, dass der Flugbeginn im Frühjahr vehement und mit hoher Intensität einsetzte. Danach folgte eine sehr rasche Entwicklung und folglich ein sehr früher Flug der ersten Generation bereits Anfang Juni. Bemerkenswert war, dass viele Fallen über die gesamte Saison hohe Fangzahlen erreichten. Den bundesweit größten Anteil an der Käferschadholzmenge sowie an deren Zunahme gegenüber dem Vorjahr hatte 2018 der Buchdrucker mit 4,7 Mio. fm. Die Schadholzmenge durch den Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) verringerte sich dagegen etwas auf 321.000 fm. Kiefernborkenkäfer sorgten vor allem in Niederösterreich und dem Burgenland für vermehrte Ausfälle, besonders bei der Waldkiefer. In den von der Trockenheit betroffenen Gebieten kam es zum nestweisen Absterben von Kiefern. Der Befall begann hier meist durch den Sechszähnigen Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) in der Krone, gefolgt vom Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer (Ips sexdentatus) am Stamm. Bundesweit beliefen sich die Schäden durch Kiefernborkenkäfer auf 171.000 fm. Im Süden und in Tirol wurden auch verstärkt Waldgärtner-Arten (Tomicus spp.) gemeldet. Ebenso stiegen die Schäden durch Tannenborkenkäfer (Pityokteines spp.) an, wobei vor allem die Gebiete an und nördlich der Donau sowie im Westen Österreichs betroffen waren.


Sonstige Schadinsekten

Waldschutzsituation3_Web © BFWgrößer Die Trockenheit im Nordosten Österreichs begünstigte auch andere rinden- und holzbrütende Insekten. Der Buchenprachtkäfer (Agrilus viridis) befiel gestresste Bergahorne nicht nur im urbanen Bereich, sondern auch in Bodenschutzwäldern der Trockengebiete, wo auch das Blausieb (Zeuzera pyrina) nicht selten anzutreffen war. An Linden waren frische Spuren des Lindenprachtkäfers (Lamprodila rutilans) häufig. Im Befallsgebiet des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis) in Gallspach, Oberösterreich, wurden bei intensiven Überwachungsmaßnahmen keine befallenen Bäume mehr gefunden. Somit war hier 2018 das zweite Jahr in Folge ohne Neubefall zu verzeichnen. Nach mehr als zehn Jahren kam es 2018 wieder zu einer ausgedehnten Massenvermehrung des Schwammspinners (Lymantria dispar). Betroffen waren zirka 4.000 ha Eichenwald im Weinviertel. Die Raupen konnten sich im warm-trockenen Frühjahr optimal entwickeln. Zum Zeitpunkt der Verpuppung Mitte Juni waren die Eichen völlig kahlgefressen. Verbleibende Raupen begannen an Robinie und Weinlaub zu knabbern. Die extrem hohe Zahl an Eigelegen lässt auch für 2019 wieder Kahlfraß erwarten. Auch der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) trat stark auf, im Wiener Raum vor allem an Zerreiche. Im Stadtgebiet wurden wegen der starken Belastung durch die Gifthaare in einigen Gärten und Parkanlagen die Nester mechanisch entfernt. Nötige Sperren sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Kahlfraß an Straßenbäumen durch Goldafter (Euproctis chrysorrhoea) und Frühlings-Wollafter (Eriogaster lanestris) wurde lokal beobachtet. Die neu aufgetretene Population des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa) hat sich im Befallsgebiet des Kärntner Dobratsch etabliert. Im Herbst 2018 war starke Aktivität der Raupen festzustellen, und einzelne Gespinstnester wurden auch im Talboden beobachtet. Die Fraßschäden an Fichte durch den Fichtennestwickler (Epinotia tedella) im Süden Österreichs sind weiter zurückgegangen. Die Fichten konnten sich durchwegs gut erholen. Auch junge Fichten, die 2016 nahezu vollständig entnadelt worden waren, sind nicht abgestorben. Der Großen Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) trat in weiten Teilen Österreichs zunehmend auf. Wegen der Notwendigkeit flächiger Pflanzungen in den Kalamitätsregionen wird er auch in den nächsten Jahren bedeutend bleiben. Die bisher nur aus dem Stadtbereich bekannte Malvenwanze (Oxycarenus lavaterae) wurde im Herbst 2018 in einem Donau-Auwald in Niederösterreich massenhaft an Linden gefunden. In Kiefernwäldern im südöstlichen Niederösterreich kam es 2018 zu einer weiteren Massenvermehrung der Amerikanischen Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis). Auf der Suche nach Winterquartieren wurde sie im Herbst in großer Zahl in angrenzenden Siedlungen sichtbar. Funde an Fichtenzapfen im Stadtbereich und an Douglasienzapfen in Wäldern im westlichen Niederösterreich zeugen von ihrer weiten Verbreitung und Bedeutung als potenzieller Zapfenschädling.


Pilze und Komplexkrankheiten

Waldschutzsituation4_Web © BFWgrößer Beim durch Hymenoscyphus fraxineus verursachten Eschentriebsterben wurde laut DWF aus etwa der Hälfte der österreichischen Bezirke eine Zunahme gemeldet. Dies betraf Teile Tirols, ansonsten aber mehrheitlich die Südhälfte Österreichs und dort vor allem die Osthälfte Kärntens sowie die östliche Steiermark. Im Hauptverbreitungsgebiet der Esche von Oberösterreich bis zum Marchgebiet wurde eher ein Rückgang des Befalls beobachtet. Vergleicht man diese Verteilung mit derjenigen der Niederschlagsabweichungen vom 30-jährigen Mittel im Jahr 2017, so fällt auf, dass in den Monaten Juni bis August – in denen die Hauptmenge der für den Neubefall 2018 relevanten Sporen gebildet wurde – die südliche Hälfte Österreichs deutlich mehr Niederschlag erhalten hatte als die nördliche. Besonders im Juni 2017 war dieser Unterschied markant, aber auch im etwas niederschlagsreicheren Juli fiel in der Nordhälfte Österreichs weniger Regen. Es ist jedoch auch festzuhalten, dass gerade in diesen Gebieten auf großer Fläche Eschen aufgrund des Verlustes der Standsicherheit geschlägert wurden. Die Rußrindenkrankheit des Ahorns, ausgelöst durch Cryptostroma corticale, trat 2018 erstmals in Laubmischwäldern im Weinviertel bei Gänserndorf an Bergahorn in bestandesbedrohendem Ausmaß auf. In dieser Region erreichten die sommerlichen Monatsmittelwerte im vergangenen Jahrzehnt mehrmals Temperaturen von über 23 °C, was als für die Rußrindenkrankheit förderlicher Faktor angesehen werden kann. In den Donauauen westlich von Wien fiel 2018 ein Absterben von Pappelbeständen auf, als dessen Ursache ein Befall der Wurzeln durch Phytophthora plurivora nachgewiesen wurde. P. ramorum und P. kernoviae wurden dagegen 2018 weder in Waldbeständen noch in Forstbaumschulen nachgewiesen. Dasselbe gilt für den durch Gibberella circinata verursachten Kiefern-Pechkrebs. Bei der durch Lecanosticta acicola ausgelösten Lecanosticta-Krankheit der Kiefern wurden dagegen 2018 neue Befallsherde festgestellt, und zwar bei Bergkiefer sowohl im urbanen Bereich (Salzburg) als auch in Waldbeständen (Karwendel: oberstes Isartal und Achenseegebiet) und schließlich in einer Reihe von Mooren in den Bundesländern Steiermark, Tirol und Vorarlberg. Am Westrand des niederösterreichischen Schwarzkieferngebiets wurde im Winter 2017/2018 ein Absterben von Altbäumen beobachtet, an dem weder der Pilzerreger Diplodia sapinea noch rindenbrütende Insekten beteiligt waren. Stark von Misteln befallene Äste wiesen zahlreiche harzende Canker (Zweigkrebse) auf, die bisherigen Analysen nach nicht durch Pathogene bedingt waren. Eine abiotische Ursache, verbunden mit Mistelbefall, ist nicht auszuschließen.


Bioindikatornetz 2018

Rund 22% der Schwefelproben aus dem Herbst 2018 sind derzeit analysiert (Burgenland, Kärnten, Wien). Bei rund 11,5% der seit 1985 jährlich beprobten Punkte gab es Grenzwertüberschreitungen. Damit dürfte sich das zu erwartende Gesamtergebnis gegenüber 2017 verschlechtern.


Ausblick 2019: Erneute Borkenkäfer-Kalamitäten wahrscheinlich

Auch nach dem Winter 2018/19 ist der Ausblick für die Entwicklung der Borkenkäfersituation höchst besorgniserregend. Die Populationsdichten bei den Fichtenborkenkäfern, besonders beim Buchdrucker, aber auch bei Kiefernborkenkäfern sind in den Schadensgebieten extrem hoch. Wie Beobachtungen aus den am schwersten betroffenen Regionen Wald- und Mühlviertel zeigen, sind nach wie vor große Mengen im (Spät-)Sommer 2018 befallener Bäume in den Beständen vorhanden. Kontrollen der vorhandenen Bruten brachten vitale und weitgehend ausgereifte, also ausflugbereite Käfer zutage. Die Klimadaten der vergangenen sechs Monate deuten auf keine Entschärfung der Situation hin. Aber auch in den südlichen und westlichen Landesteilen befinden sich sehr große Mengen an Kalamitätsholz, die durch die Stürme im Herbst 2018 und die Schneebrüche Anfang 2019 angefallen sind, in den Beständen und sorgen so für eine sehr prekäre Ausgangssituation. Dieses bruttaugliche Holz wird, wenn es nicht rechtzeitig entfernt und brutuntauglich gemacht wird, Ausgangspunkt für eine weitere Massenvermehrung der Borkenkäfer sein. Daher der dringende Appell an die Waldbesitzerinnen und -besitzer: Befallenes Holz und im Herbst oder Winter geworfenes oder gebrochenes Material sind umgehend aus dem Wald zu entfernen und zu behandeln – denn mit steigenden Temperaturen fliegen die Käfer Anfang April wieder aus, um neue Bäume zu befallen.


Autor: forstzeitung.at
08.04.2019, 10:54 MEZ

Artikel druckenArtikel mailen