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Wald im „Burn-out“?

Stürme, wie Vaia im vergangenen Oktober, sind wie Frontalkollisionen, die in kürzester Zeit mitunter enorme Schäden verursachen. Die sich derzeit stark ausbreitende Käferepidemie hingegen ist das schleichende Symptom eines infolge von Hitze und Dürre kränkelnden Waldes. Die Kärntner Forstbetriebe befinden sich in vielerlei Hinsicht derzeit im Zentrum eines unheilvollen Geschehens.

Schadholz_AT_1944-2018 © BFWgrößer „Was da auf uns zukommt, ist ungeheuerlich!“ Landesjägermeister Ferdinand Gorton sprach aus, was wohl viele Anwesende fühlten. Schon die nackten Zahlen, die am 21. März im Vortragssaal der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach präsentiert wurden, verheißen nichts Gutes: Bis zu 1,8 Mio. fm an Schadholz sind in Kärnten im Vorjahr durch das Sturmtief Vaia angefallen. Das benachbarte Italien hatte es noch viel härter getroffen: Dr. Josef Schmiedhofer, Direktor der Agentur Landesdomäne der Südtiroler Landesverwaltung, rechnet mit etwa 7 Mio. fm Schadholz: 2 Mio. fm in Südtirol, gut 3 Mio. fm im Veneto, etwa 1,8 Mio. fm im Trient. In beiden letzteren Regionen seien aber die Bringungsbedingungen – schlechte Erschließung, teilweise hohe Hektarvorräte und Steilheit – besonders ungünstig. Erst 30.000 bis 50.000 fm des gesamten Schadholzanfalles seien aufgearbeitet, betonte Schmiedhofer. Der derzeit schon unauskömmliche Rundholzpreis dürfte also noch längere Zeit unter Druck stehen, zumal heimische Sägewerke ihre Einschnitte im Inland nicht ausweiten. In Ossiach war vice versa von einer starken Ausdehnung der Aktivität eines großen Kärntner Holzverarbeiters in Russland die Rede.


20 % werden wohl nie aufgearbeitet

Dass geschätzte 20 % des angefallenen Sturmholzes beim Nachbarn im Süden wohl nie aufgearbeitet und auf den Markt gebracht werden, mag für die Kärntner Forstbetriebe zumindest kurzfristig ein Trost sein. Aber dies könnte dafür ein anderes Problem nur noch verschärfen: die Käferproblematik. In den vergangenen 20 Jahren habe das Volumen des Käferholzes im Bundesland eine deutlich steigende Tendenz gezeigt, erklärte der Kärntner Landesforstdirektor, Christian Matitz, in seinem Waldbericht. Die seit 2017 von rund 340.000 Vfm auf derzeit wieder unter 300.000 Vfm gesunkene Käferholzmenge könnte aber erneut drastisch ansteigen, wenn das Sturmholz nicht rasch aufgearbeitet und ein Teil davon auf Zeit in werterhaltenden Lagern dem Markt entzogen wird. Christian Matitz setzte sich daher zum wiederholten Mal für ein großes Nasslager jeweils in Ober- und Unterkärnten mit je 50.000 fm Kapazität ein.


„Was da auf uns zukommt, ist ungeheuerlich.“

Ferdinand Gorton, Landesjägermeister Kärnten


Kärnten: höchste Forstförderung

Aus bestehenden Fördertöpfen seien bisher 700.000 € für forstliche Zwecke vergeben worden. „Kärnten hat von allen Bundesländern bisher die größte Summe an Förderungen aus dem Topf ,Ländliche Entwicklung‘ ausgeschüttet. Unter dem Titel ,Flächenwirtschaftliche Projekte‘ könnten aber noch zusätzliche Fördermittel lukriert werden. Das würde andere Budgets entlasten“, legte Matitz den anwesenden Waldbesitzern ans Herz. „Die Fichte bekommt in den Tieflagen zusehends Probleme und ist dort sicherlich ein Auslaufmodell. Aber in den Mittellagen profitiert sie sogar von den klimatischen Veränderungen und zeigt dort umso mehr Zuwachsleistung. Abschreiben sollte man sie keinesfalls“, fügte er hinzu.


Autor: Robert Spannlang
15.04.2019, 11:26 MEZ

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