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Position zur Überwinterung von Wildtieren

von Dipl.- Ing. Mag. Johannes Wohlmacher, Präsident, Österreichischer Forstverein

Die in den letzten Wochen ungewöhnlich großen Schneemengen in weiten Teilen Österreichs stellen sowohl Mensch als auch Wildtiere vor große Probleme. Grundsätzlich sind unsere Schalenwildarten an den Nahrungsengpass Winter bestens angepasst, unterstützende Maßnahmen wie Notzeitfütterungen können in Extremsituationen aber notwendig sein. Der Österreichische Forstverein fordert dazu eine sachliche, faktenbasierte Diskussion ein und lehnt es ab, dass auf Basis unhaltbarer Vorwürfe Emotionen in der Öffentlichkeit geschürt werden.
Die Errichtung und auch Auflassung von Fütterungen unterliegt der strengen Aufsicht und Bewilligungspflicht durch die Jagdbehörden der Länder. Auch enthalten die meisten jagdgesetzlichen Regelungen Bestimmungen über Fütterungen in Notzeiten. Im gesamten Bundesgebiet bestehen Schalenwildfütterungen, viele davon auch in Schutzwäldern. Die Konzentration von Schalenwild durch Fütterungen und Schäden am Wald stehen häufig in kausalem Zusammenhang. Vom Menschen erbaute Schutzmaßnahmen z.B. vor Lawinen kosten das 140-fache der Waldpflege und können die natürlichen Barrieren aus Bäumen nur ergänzen. Intakte, verjüngungsfreudige Schutzwälder sind daher unentbehrlich. Wenn es daher auf Wunsch der Grundeigentümer oder behördlichen Anweisungen zur Auflassung von Wildfütterungen kommt, dann hat dies im jeweils nötigen Umfang mit begleitenden Maßnahmen, wie z.B. der vorherigen Absenkung der Wildbestände, zu erfolgen.

Um in Zukunft Schäden am Wald zu vermeiden, die Anpassung der Wälder an den Klimawandel zu ermöglichen und den Wildbeständen auch die notwendige Ruhe zur Überwinterung zu bieten, hält der Österreichische Forstverein folgende Maßnahmen für dringend geboten:
• rasche Heranführung der Schalenwildbestände an die ökologische Tragfähigkeit der Waldökosysteme entsprechend der „Mariazeller Erklärung“
• Bundesweite Umsetzung wildökologischer Raumplanungen mit digitaler Verortung und Erfassung aller Fütterungen in Österreich. • Vorschreibung von Wildruhezonen, die durch jedermann zu respektieren sind. Kontrollen und allenfalls Ahndungen erscheinen notwendig.
• Evaluierung der jagdgesetzlichen Bestimmungen betreffend Wildtierfütterungen 

Position zur Überwinterung von Wildtieren
• Gemeinsame Entwicklung von Empfehlungen mit der Jägerschaft für die Beurteilung der jeweiligen Fütterungsnotwendigkeiten und für die daraus folgende sachgerechte Fütterung. Verbotszonen für Wildtierfütterungen insbesondere in sensiblen Schutzwaldgebieten

• Aufbau geeigneter digitaler Erfassungssysteme für Abschüsse und Fallwild sowie eine bundesweit flächendeckende Verpflichtung von Grünvorlagen aller erlegten Tiere   Der Österreichische Forstverein bekennt sich zum Forst & Jagd-Dialog und den Inhalten der „Mariazeller Erklärung“ und bekundet gleichzeitig seine Bereitschaft an den Problemlösungen nach besten Kräften weiter mitzuwirken.  


Autor: Maierhofer
18.04.2019, 09:49 MEZ

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