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Blaues Auge hier, goldenes Zeitalter dort

ÖBf-Bilanz 2018: Großer Anteil nichtforstlicher Aktivitäten hilft in Schadholzzeiten wie diesen

2018 erwirtschaftete die Österreichische Bundesforste AG das drittbeste Konzernergebnis ihrer Unternehmensgeschichte. Am gesunkenen Durchschnittspreis – nur noch 69,8 €/fm – lag es nicht, wie Vorstandssprecher Dr. Rudolf Freidhager zugeben musste. Damit lag man nämlich um 10 €/fm oder 12 % unter dem 2014er-Preis. Vielmehr trugen diesmal die nichtforstlichen Unternehmenssparten kräftig zur Betriebsleistung bei.

OeBf-Geschaeftsbericht © APA/Hormandingergrößer Dass die ÖBf nur noch zu 58 % vom Holzmarkt abhängig sind und den Rest mit Jagd, Fischerei, Dienstleistungen sowie erneuerbarer Energie erwirtschaften, sieht Freidhager als großen Vorteil an. Denn: „Das Marktumfeld im Holzverkauf wird volatil bleiben und der Preisdruck eher noch zunehmen.“


Preise fielen und fallen noch

„Das Konjunkturhoch der vergangenen Jahre ist nicht nur nicht in der Forstwirtschaft angekommen. Im Gegenteil: Bei uns war die Entwicklung negativ“, bedauerte Freidhager. Und der Abwärtstrend bei den Preisen hält an: Schon jetzt im Mai ist der Durchschnittserlös um weitere 6 €/fm auf nur noch 64 €/fm gesunken (über alle Sortimente; frei Straße Regie). „Zumindest 60 Mio. fm Schadholz sind 2018 genau im Einkaufsradius unserer Kunden angefallen. Die Holzindustrie hat gerade ein goldenes Zeitalter. Wenn man Holz um 30 €/fm einkauft, kann man es weit fahren, damit es noch immer mit 70 €/fm im Sägewerk ankommt. Diese Situation sei unseren Kunden gegönnt. Was aber jetzt an Rundholz zu viel ist, wird künftig fehlen“, prophezeite Freidhager auf der Bilanzpressekonferenz am 16. Mai in Wien. Nicht ausmalen wolle er sich, was passiert, wenn den Sägewerken die Schnittholzmärkte wegbrächen. „Noch wird alles abgenommen.“


Schon jetzt stehen 860.000 fm Schadholz 2019 in den ÖBf-Büchern: 550.000 fm aus Schneebruchschäden, dazu Sturmholz. „In dieser Zahl ist noch kein Festmeter Käferholz enthalten. Daher wird das 2019er-Schadholzausmaß die 1 Mio. fm des Vorjahres übertreffen. Wir werden mehr als 66% Schadholzanteil haben“, lautete seine Vorhersage. 220.000 fm Schneebruchholz fielen allein im Forstbetrieb Traun-Innviertel an.


Gerade dieser kleinregionale Massenanfall macht zu schaffen: So musste im Vorjahr das Forstrevier Waldviertel 50 % des ÖBf-weiten Käferholzanfalls hinnehmen (rund 100.000 fm).


Plus 2° C als Planungsgrundlage

Bei den ÖBf entwickelte man nun eine „Unternehmensstrategie 2025/50“. Bis 2050 will man die Wälder klimafitter machen. „Wir orientieren uns dabei an den Vorhersagen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen: also +2° C. Das heißt etwa im Waldviertel, dass die Fichte wohl um 50 % an Fläche verlieren wird“, sagte Freidhager voraus. Mehr Lärchen, Tannen, Douglasien und Laubholz ist das Ziel.


Was bis dato ein Nachteil des ÖBf-Besitzes war, erweist sich nun als Vorteil: die Höhenlage. Im Schnitt liegen deren Wälder auf 1100 m.


300 Mio. € werden investiert

„Bis 2025 werden wir ein 300 Mio. €-Investitionsprogramm realisieren – das ist das größte unserer Unternehmensgeschichte“, verkündete ÖBf-Finanzvorstand Georg Schöppl stolz. 103 Mio. € werden in erneuerbare Energien fließen (78 Mio. € Windkraft, 25 Mio. € Kleinwasserkraftwerke). Weitere 100 Mio. € sind für den Waldumbau reserviert, 60 Mio. € „in guten Lagen“ (Schöppl) für den Bereich Immobilien.


Beide Vorstände gehen davon aus, dass 2050 der Anteil der nichtforstlichen Bereiche mehr als 50 % zum Ergebnis beitragen wird. „Unsere Bilanz wäre bei der jetzigen Preissituation sonst dunkelrot“, sprach Schöppl eingedenk der Tatsache, dass anderen Staats- und Landesforste dieses zweite Standbein fehlt.


Simmering läuft wohl weiter

Bei den ÖBf geht man davon aus, dass das Biomasseheizwerk Simmering weiterlaufen werde. Die Zuschüsse kommen nun vom Land – und die Stadt Wien hat schon Zustimmung signalisiert. Würde man nicht, wie bisher, annähernd 102 €/MWh erhalten, gingen dort wohl die Flammen aus, ließ man durchblicken. „Simmering und die anderen Heizwerke sind technisch noch in Ordnung. Deren Betrieb ist auch eine Frage der Waldhygiene. Wohin sonst mit den käferkontaminierten Wipfeln?“, meinte Freidhager. „Die thermische Verwertung brauchen wir gerade jetzt dringendst.“


Autor: Gerd Ebner
03.06.2019, 11:00 MEZ

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