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Forstliche Produktion - Fit für den Klimawandel?

Vortrag von Prof. Andreas Rigling, von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Zusammenfassung von DI Dr. Gerhard Pelzmann

Forsttagung_Prof.Rigling © Harry Schiffergrößer Klimatischen Extreme und die biotischen Risiken werden vermehrt Schlüsselfaktoren für die weitere Waldentwicklung sein, berichtete anlässlich der Österreichischen Forstvereinstagung in Seckau, Prof. Andreas Rigling von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf der ETH Zürich aus der Schweiz. Die Bilder grossflächig brauner Laubbäume in weiten Teilen Zentraleuropas im Frühsommer 2018 sind noch sehr präsent. Diese um rund drei Monate verfrühte Herbstverfärbung der Wälder war das Resultat der extremen Hitze und langanhaltenden Dürre. Laut Klimaberichten muss davon ausgegangen werden, dass Hitze- und Dürreperioden in Zukunft noch häufiger auftreten dürften. Die Sommer sollen generell niederschlagsärmer und heisser werden, Hitzetage, Tropennächte und ausgedehnte Trockenperioden werden häufiger auftreten. Die Winter hingegen werden feuchter, aber schneeärmer, und mit Starkniederschlägen muss zu allen Jahreszeiten vermehrt gerechnet werden. Als biotische Risiken werden Borkenkäferschäden zunehmen. Frühere Flugzeiten und die Entwicklung mehrere Generationen erhöhen den Druck, besonders auf die Fichte. An der Waldgrenze kommt es zu einer Zunahme des Baumwachstums und einer Ausdehnung der Waldfläche kommen. In Tieflagen hingegen, auf 600 - 1000 m ü.M. werden häufigere Trockenjahre Auslöser für Baumsterben werden. Die Trockenheit setzt auch Buchenwäldern vermehrt zu und das Paradigma der robusten Buchenwälder ist zu überdenken. Feldexperimente bei Weisskiefer zeigen, dass mit Durchforstungen die Erhöhung der Wasserverfügbarkeit und Widerstandskraft gegenüber Trockenheit erreicht werden kann. Ob dies auch für andere Waldtypen gilt, ist erst Gegenstand von Untersuchungen.


Was wird sich im Waldbau ändern?

Was wird sich im Waldbau ändern? Als Folge des Klimawandels ändern sich wichtige ökologische Rahmenbedingungen. Daraus ergeben sich Risiken für die Waldbestände. Im naturnahen Waldbau ist es möglich, die Wälder sukzessive an die neuen Bedingungen anzupassen.   Dabei sollte man sich von fünf Handlungsprinzipien leiten lassen.

  1. Erhöhung der Baumartenvielfalt mit zukunftsfähigen Arten, weil Mischbestände störungs- und stressresistenter sind, sich nach Störungen rascher erholen und gegen ungewisse zukünftige Bedingungen besser abgesichert sind als Reinbestände;

  2. Erhöhung der Strukturvielfalt, weil reich strukturierte Wälder, seien sie im Femelschlag- oder im Dauerwaldbetrieb bewirtschaftet, weniger störungsanfällig sind und sich dank vorhandener Vorverjüngung rascher von Störungen erholen;

  3. Erhöhung der genetischen Vielfalt, weil sie die Anpassungsfähigkeit der jeweiligen Baumart an das sich verändernde Klima fördert;

  4. Erhöhung der Stabilität der Einzelbäume, weil stabile Bäume weniger anfällig auf Stürme und Schneelast sind;

  5. Reduktion der Umtriebszeit beziehungsweise des Zieldurchmessers oder die vorzeitige Verjüngung, weil dies den Anteil besonders störungsgefährdeter älterer Bäume und Bestände vermindert und einen rascheren Baumartenwechsel ermöglicht.

  Diese fünf Handlungsprinzipien sind keine Patentrezepte, die sich schematisch anwenden lassen. Man muss sie vielmehr bei waldbaulichen Entscheiden präsent haben und sich ihrer situationsbezogen bedienen. Um die Besonderheiten des jeweiligen Waldstandortes und Waldbestandes zu berücksichtigen, muss man die Ausgangslage sorgfältig beurteilen, sich die möglichen Wege in die Zukunft vorstellen und dann eine optimale Lösung wählen. Es gibt dabei Schlüsselsituationen bei der Bestandesbegründung, Jungwuchspflege und Durchforstung, in denen man viel bewirken kann.  


Kontinuierliche Anpassung anstatt Umbau

Keine waldbauliche Entscheidung sollte ohne Berücksichtigung des Klimawandels mehr getroffen werden. Entscheidend ist, heute zu beginnen, den Waldbau anzupassen – aber mehr graduell als radikal, nach dem Motto «Anpassung anstatt Umbau». Eine Risikoverteilung durch Erhöhung der Baumartenvielfalt soll angestrebt werden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei ist ein, der Tragfähigkeit des Lebensraumes angepasster Wildstand. Die genetische Vielfalt kann durch Naturverjüngung, kombiniert mit gezielten Pflanzungen im Voranbau oder als Ergänzung erhöht werden. Die Anwendung eine Vielfalt von waldbaulichen Konzepten mit klein- und grossflächigen Eingriffen, Plenter- und Femelschlagsysteme, bei der (grossflächige) Störungen für eine Neuausrichtung genutzt werden reduzieren das Produktionsrisiko Waldbauliche Behandlungskonzepte zur Verkürzung der Umtriebszeit, Verringerung des Zieldurchmessers, Erhöhung von Eingriffstärken sind zu entwickeln. Auch bei der Waldpflege können Maßnahmen der Anpassung greifen. Durch Förderung klimatoleranter Mischbaumarten bei Pflege und Durchforstung erhöht sich die Diversität und damit die Anpassungsfähigkeit der Bestände. Wo bereits jetzt die Mischbaumarten in der Fichte fehlen, ist der konsequente Waldschutz gegen Borkenkäfer und die frühzeitige Einbringung von Mischbaumarten dringlicher denn je. Ein weiterer Faktor sind schließlich rechtzeitige und konsequente Pflegeeingriffe, um die Vitalität der Einzelbäume zu erhöhen. Denn vitale Bäume in verringerter Konkurrenzsituation werden auch mit klimainduziertem Stress durch Trockenheit leichter fertig. Durch die Förderung der Biodiversität auf allen trophischen oberirdischen und unterirdischen Ebenen Erhöhung der Widerstandskraft der Wälder:


Anpassung braucht Zeit

Ist die Forstliche Produktion fit für den Klimawandel? Ja und Nein: Die Instrumente sind bekannt. Doch aktuelle Wälder sind grossflächig anfällig und vielerorts wenig widerstandsfähig.  


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Autor: Maierhofer
02.07.2019, 10:25 MEZ

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