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Gruppenfoto_Tschechien2019.JPEG © Norbert Webergrößer

Reisebericht: Exkursion des Steiermärkischen Forstvereins nach Tschechien/Mähren

von Ofö. Ing. Peter Bedenk

„Unendliche Weiten …“ – so beginnen Reiseberichte oftmals. Die Weiten die sich bei der Exkursion des Forstvereins in Tschechien – Mähren aufgetan haben, vermittelten einen Eindruck, was noch auf uns in Österreich zukommen kann. Darauf soll aber später noch eingegangen werden.  
Abfahrt um 7 Uhr von Graz mit dem Zielort Hranice in Mähren, in der Nähe von Olmütz. Wir waren schon neugierig, uns selbst ein Bild von den Katastrophenmeldungen über die massiv vom Borkenkäfer befallenen Waldbestände in Tschechien zu machen. Dazwischen lag aber ein wichtiger Exkursionspunkt unmittelbar an der March, südlich von Brünn, in der Nähe von Lundenburg. Herr Prof. Májek von der Gregor-Mendel-Universität in Brünn (Gregor Mendel war Abt der Brünner Abtei St. Thomas und hat dort die nach ihm benannten Regeln der Vererbung entdeckt und beschrieben) führte uns durch die March Auen. Erkennbar waren die durch das Eschensterben verursachten Probleme sowie die Anforderungen an ältere Bäume, die durch Absinken des Grundwasserspiegels beeinträchtigt sind. Strikte, gesetzliche Vorgaben an die Wahl der Baumarten beeinflussen die Waldentwicklung und verengen die ökologische Amplitude. Aufgabe der universitären Forschung in diesem Gebiet ist die langfristige Sicherstellung standortgerechter Wälder in einer zunehmend von Trockenheit und Extremwitterungsereignissen geprägten klimatischen Entwicklung. Am Abend sind wir in Hranice (Mährisch Weißkirchen) eingetroffen und wurden von Frau Mag. Nováková, Professorin an der dortigen Försterschule, in Empfang genommen und nach dem Abendessen konnten wir sogar noch eine Stadtführung durch eine wunderschöne, verträumte Kleinstadt genießen. Woher die Stadt (Weißkirchen) ihren Namen hat, konnten wir bei Besichtigung der Kirche nachvollziehen. Diese ist neben der Burg das prägende Element des Ortskerns. Daneben ist Hranice auch eine Garnisonsstadt der tschechischen Streitkräfte. Ein interessantes Detail am Rande sei noch erwähnt – das Hotel Centrum, in dem unsere Forstvereinsdelegation genächtigt hat, war während der kommunistischen Zeit Sitz des sowjetischen Kommandos. Nach dem Frühstück sind wir zu den tschechischen Militärforsten zum Truppenübungsplatz Libava (Liebau) aufgebrochen. Das rd. 23 800 ha große Gebiet liegt nordöstlich von Olmütz. Dieser Truppenübungsplatz wurde 1946 eingerichtet. Wir wurden dort von Herrn Dipl.-Ing. Jeniš herzlich empfangen und über die Aufgaben und Ziele der Fortverwaltung informiert. Die Waldbewirtschaftung muss sich in jedem Fall nach den militärischen Planungen richten. Wo aktuell militärische Übungen stattfinden, dürfen logischerweise keine forstlichen Maßnahmen gesetzt werden. Dazu gibt es tagesaktuelle Pläne, nach denen sich die forstlichen Einsatzplanungen zu richten haben. Und dort waren sie dann zu sehen – die „unendlichen Weiten“. Riesige Flächen ohne älteren forstlichen Bewuchs, geprägt durch frisch befallene Fichtenbestände und große Aufforstungsflächen. An einigen vom Wind geworfenen Fichten wurde uns die Problematik erläutert: Die Fichtenbestände in diesen ehemaligen Bergbauregionen sind sekundäre Waldbestände. Die Fichte wurde im Bergbau als Grubenholz gebraucht, da das Holz einerseits leichter war als die natürlich vorkommende Buche und andererseits hat das Nadelholz durch „knacken und knarzen“ schon Tage vor einem Grubeneinsturz gewarnt, während sich das Laubholz sozusagen nicht gemeldet hat. Die Fichte war ganz einfach für den Bergbau notwendig und wurde in großen Mengen benötigt. Nunmehr senkt sich der Grundwasserspiegel und die Fichte als Flachwurzler kann diese Horizonte nicht mehr erschließen und bekommt durch fehlende Niederschläge massive Probleme und ist daher entsprechenden Schadentwicklungen, an erster Stelle dem Borkenkäfer, ausgesetzt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die ehemaligen Bunker für die russischen Mittelstreckenraketen mittlerweile zu gut klimatisierten Lagern für die Forstpflanzen zur Neuaufforstung umfunktioniert worden sind. Bis zum Ende der kommunistischen Ära sind dort Mittelstreckenraketen, die auf alle europäischen Hauptstädte gerichtet waren und mit Atomsprengköpfen bestückt waren, einsatzbereit gelagert worden – nicht einmal zwei Autostunden von Wien entfernt. Da ist die aktuelle Verwendung der Bunker doch beruhigender. In diesem Gebiet liegt auch der Ursprung der Oder – die Besichtigung der Quelle der Oder (pramen Odry) war ein weiterer Höhepunkt des Tages. Dort hat sich auch Herr Dipl.-Ing. Jeniš von den tschechischen Militärforsten mit einem Jagdhornständchen von uns verabschiedet. Ein fachlich und historisch mehr als interessanter Vormittag.   Ein Besuch der Stadt Olmütz, immerhin sechstgrößte Stadt Tschechiens, mit ihren sechs barocken Brunnen und der prägenden Dreifaltigkeitssäule rundete den Tag ab. Was wir an diesem Tag auch feststellen mussten, ist dass die Lebensmittelgesetze in Tschechien offenbar nicht so streng sind wie sonst in Europa – zumindest beim Brauen von Bier. Geschmeckt hat das Bier einer Privatbrauerei nahe Olmütz trotzdem ausgezeichnet.  
Am Heimweg machten wir in der „grenzenlosen“ Liechtensteinregion halt – das ist die Region zwischen den Flüssen Thaya, March und Zaya. Das Projekt „grenzenlose Liechtensteinregion“ ist eine Zusammenfassung von über 30 Jahren Forschungs- und Aufbauarbeit des Themas Liechtenstein in der Region im Museum Schloß Wilfersdorf. In der Dauerausstellung ist die Präsenz des Hauses Liechtenstein in der Region sowie die imposante Familiengeschichte beschrieben. Forstdirektor Dipl.-Ing. Hans Jörg Damm gab uns einen Überblick über den Forstbetrieb und die aktuellen Herausforderungen, die im Klimawandel begründet sind und sich in den Auswirkungen unwesentlich von den Problemen in Tschechien unterscheiden. Zum Abschluss erhielten wir einen Einblick in die fürstliche Hofkellerei Wilfersdorf des Hauses Liechtenstein – ein mehr als würdiger Abschluss der heurigen Exkursion – erzielen doch die fürstlichen Tropfen regelmäßig internationale und nationale Auszeichnungen. Drei mehr als interessante Tage die in Summe doch zum Nachdenken über die zukünftigen Entwicklungen und den damit verbundenen Herausforderungen für die Branche angeregt haben. Ein großes und herzliches Dankeschön an Veronika Maierhofer für die hervorragende Organisation und das informative und abwechslungsreiche Programm.  


Autor: Peter Bedenk
12.12.2019, 15:40 MEZ

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