www.timber-online.net

Meldungen // Forstverein
 // Wald

Managementplan Forst wird klimafit

von Dipl.-Ing. Dr. Gerhard Pelzmann, MA

Neue Herausforderungen wie der Klimawandel, neue Chancen durch die Weiterentwicklung der Fernerkundung und deren Integration in den Managementplan Forst wurden von interessierten Anwendern des Tools im Oktober 2019 in Wien anlässlich eines Workshops des Fachausschusses für Forschung, Informationstechnologie und Digitalisierung des Österreichischen Forstvereins diskutiert.

Neue Herausforderungen wie der Klimawandel, neue Chancen durch die Weiterentwicklung der Fernerkundung und deren Integration in den Managementplan Forst wurden von interessierten Anwendern des Tools im Oktober 2019 in Wien anlässlich eines Workshops des Fachausschusses für Forschung, Informationstechnologie und Digitalisierung des Österreichischen Forstvereins diskutiert.


Forschungsergebnisse in die Praxis bringen

Eines dieser digitalen Werkzeuge ist der Managementplan Forst. Der Managementplan Forst ist ein Waldbewirtschaftungsprogramm nach aktuellen ertragskundlichen und betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen auf Basis einer bestandesweisen Ausscheidung. Als Werkzeug für Forstbetriebe dient er der Unterstützung der multifunktionalen forstlichen Planung zur Verbesserung der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Als Forsteinrichtung gibt er konkreten Überblick und Handlungsanleitungen für die eigenen Waldflächen.
Der Managementplan Forst besteht aus drei Teilen: einer erweiterten Winkelzählprobenauswertung auf Basis einer einfachen und schnellen Erhebung, einem multifunktionalen Operat und mit QGIS-Forst einem geografischen Informationssystem für die Erstellung der digitalen Forstkarte und zur Auswertung raumbezogener forstlicher Fragestellungen. Im Rahmen eines geförderten zweijährigen EU-Projekts der Ländlichen Entwicklung 14-20 soll der Managementplan Forst adaptiert werden. Projektmitglieder sind das Bundesamt und Forschungszentrum Wald, Dr. Georg Kindermann, Fa. Umweltdata, Dipl.-Ing. Günther Bronner, Fa. Unidata Geodesign, Nikolaus Pedarnig und der Autor dieses Artikels.


Bonitätsänderung und Ausfallsrisiko

So sollen zukünftig Prognosen erstellt werden, wie sich in derzeitigen Beständen bei gleichem Bestandesaufbau aufgrund des Klimawandels die Bonitäten pro Wuchsklasse und Baumart verschieben werden. Es werden Modelle mit gängigen Eingangsparameter für Fichte, Tanne, Lärche, Weißkiefer, Rotbuche und Eiche entwickelt.
So kann der Nutzer, nach Wahl von möglichen Klimaszenarien (z. B. Temperaturerhöhung um 2 Grad, Niederschlagsverringerung um 200 mm) sich einzelbestandesweise pro Wuchsklasse und Baumart die Bonitätsänderung der Oberhöhenbonität berechnen lassen. Zusätzlich wird eine Gesamtauswertung die betriebliche Auswirkung aufzeigen.
Prognosen über das Ausfallsrisiko der im Managementplan Forst erhobenen Bestände ergänzen die Bonitätsänderung. Es werden dies Angaben für eine Zufallsnutzung durch Windwurf, Borkenkäfer und Schnee sein. Die Prognose gibt an, wie hoch im derzeitigen Bestand bei gleichem Bestandesaufbau die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Baum im Zug einer Kalamitätsnutzung pro Wuchsklasse und Baumart entnommen wird. Damit sollen dem Waldbewirtschafter und der Waldbewirtschafterin Hinweise zur Bestandesbehandlung für stabile Waldbestände gegeben werden.


WZPX_Auswertung.JPG © Redgrößer

Genauere Zuwachsberechnungen und Prognosen

Der Zuwachs ist die wichtigste Steuerungsgröße der Waldbewirtschaftung. Berechnungen werden derzeit oft unter Zuhilfenahme der Ertragstafeln durchgeführt. Sie bilden die in der Vergangenheit herrschende waldbauliche Behandlung von Beständen ab, die nicht mehr der aktuellen und modernen waldbaulichen Praxis entsprechen.
Waldwachstumsmodelle hingegen können die Bestandesentwicklung von beliebigen Ausgangssituationen für verschiedenste Behandlungsvarianten prognostizieren und sind daher in der Regel weniger flexiblen Tafelwerken wie Ertragstafeln, überlegen. Die vorhandenen Waldwachstumsmodelle Caldis (Prognaus) der gängigsten Baumarten werden adaptiert, damit sie mit einfachen Standorts- und Bestandesparametern für genauere Zuwachsberechnungen verwendbar sind.


Einfache Aktualisierung

Um den Managementplan Forst aktuell halten zu können sind geplant: Die automatische Weiterführung, wenn keine Änderungen eingetreten sind über Waldwachstumsmodelle. Bei Änderungen im Bestandesaufbau die einfache Neuanlage oder Auftrennung von vorhandenen Beständen, das Zusammenfügen von Beständen mit flächengewichteten Parametern und die Speicherung von Altdaten als Versionierung. Eine Down- und Upload-Möglichkeit wird das einfache Bearbeiten von Bestandesdaten erleichtern.


GIS wird integriert

Zur Visualisierung der Bestände wird ein GIS-Viewer mit Basiskarten von Geoland integriert. Die Forstkarte wird mit externen GIS-Programmen (z. B. QGIS, ArcGIS, Ewald, …) erstellt. Durch das Hochladen dieser Karte als GIS-Layer können einfach Bestände im Managementplan Forst angelegt und die Flächengrößen übernommen und die Managementplan Forst Daten mit den Layerdaten verknüpft werden. Weiters wird er zur Menüführung verwendet werden.
Eine Digitalisierung und Editierung von Geodaten ist nicht vorgesehen.
Der Layer kann nach den Eigenschaften des Standortes oder der Bestände eingefärbt und als Karte mittels (Atlas-) Ausdruck ausgedruckt werden.


Autor: Maierhofer
16.12.2019, 16:03 MEZ

Artikel druckenArtikel mailen