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Klimafitte Baumarten und deren Verwendungsmöglichkeiten

von Michael Grabner; Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe

Klimawandel findet statt: die für jeden Österreicher bereits spürbaren Hitzerekorde und Trockenperioden der letzten Jahre sind ein deutliches Zeichen dafür. Auch der Wald ist von derartigen Extremereignissen betroffen und reagiert mit geringeren Zuwächsen, sinkender Vitalität, reduzierter Abwehrfähigkeit der Bäume und einer Massenvermehrung von Borkenkäfern. Daher müssen Waldbesitzer mit zusätzlichem Aufwand beim Aufarbeiten von geschädigten Beständen und wirtschaftlichen Einbußen rechnen. Mit der erwarteten Zunahme an Trockenperioden stellt sich die Frage, wie gut unsere wirtschaftlich bedeutsamen Nadelbaumarten mit Trockenheit umgehen. Es können hier keine Empfehlungen gegeben werden, welche Baumarten zukünftig – klimafit – gepflanzt werden sollen. Vielmehr sollen mögliche Nutzungspotentiale einiger Holzarten die in Zukunft eine Rolle spielen können/werden aufgezeigt werden. Der Hintergrund dieser Aussagen ist die Analyse der historischen Holzverwendung.


Untersuchungen von Holzverwendung und Holzeigenschaften

Holz war in der Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Er begleitete die Menschen als Brennholz, Bauholz oder Werkholz und wurde mit großem Wissen und viel Erfahrung verwendet. Man versuchte jede Holzart ihren Eigenschaften entsprechend einzusetzen. Obwohl Holz in Österreich seit jeher eine wichtige Stellung hat, ging viel an Wissen und Erfahrung über die Eigenschaften und die Verarbeitung dieses einzigartigen Werkstoffes bereits verloren.
Das Ziel unserer Arbeiten war nachzuweisen welche Holzarten in der Vergangenheit in Österreich genutzt wurden und wie diese eingesetzt waren. In sechs österreichischen Museen wurden insgesamt 48 unterschiedliche Holzarten gefunden. Die am häufigsten verwendete und gleichzeitig universell eingesetzte Holzart ist die Rotbuche (Fagus sylvatica), gefolgt von Fichte (Picea abies). Doch es folgen schon rasch unerwartete Arten wie Birke (Betula spp.), Hasel (Corylus avellana) und Kornelkirsche (Cornus mas).

Als nächsten Schritt wurde historische Fach-Literatur gesucht. 122 Bücher – das älteste stammt aus dem Jahr 1690 – wurden analysiert. Darunter auch Xylotheken - kleine Holzbibliotheken, die eine Sammlung von Holz, Rinden, Früchten und Samen verschiedener Baumarten enthalten. Durch diese Analysen wurden die Beschreibungen der Eigenschaften und der Verwendungen auf 60 heimische Holzarten ausgeweitet.
Im Rahmen eines Sparkling Science Projektes wurden - gemeinsam mit Schüler/innen – diese 60 Holzarten charakterisiert. Das waren einerseits Normprüfungen, aber auch andererseits unübliche Messgrößen die aber in Anlehnung an die historischen Beschreibungen interessant sind – z.B. den Reibungskoeffizienten zwischen menschlicher Haut und der Holzoberfläche. Auf Grund dieser Messungen konnte man sehen, dass der Reibungskoeffizient bei Erle (Alnus glutinosa) geringer ist und sich somit die Aussage, dass sie „besser in der Hand liegt“ und daher für Werkzeuggriffe genutzt wurde, bestätigt. All diese Untersuchungen wurden im Buch „WerkHolz“ zusammengeführt (Grabner, M. 2017. WerkHolz. Eigenschaften und historische Nutzung 60 mitteleuropäischer Baum- und Straucharten. Verlag Kessel, ISBN 978-3-945941-24-9, 160 S.)  


Einige Beispiele

Tanne (Abies alba)
Das Holz der Tanne ist im Großen und Ganzen dem der Fichte sehr ähnlich – es ist nur Harz-frei. D.h. die Verwendung ist ähnlich der Fichte. Mögliche Probleme liegen im Bereich der Nasskernbildung, der zum Teil auftretenden Ringschäle und der manchmal schwierigeren Bearbeitbarkeit auf Grund höherer Sprödigkeit.  
Douglasie (Pseudotsuga menziesii)
Diese nicht einheimische (aus Nordamerika stammende) Baumart wird bei uns als Lärchenersatzholzart gehandelt. Die wichtigste Besonderheit ist hier - wie bei der Lärche - die erhöhte Dauerhaftigkeit. Mögliche Anwendungen liegen daher ähnlich wie bei der Lärche – vor allem als Bauholz.
 
Götterbaum (Ailanthus altissima)
Der Götterbaum ist ein invasiver Neophyt. Die ersten Pflanzungen gehen jedoch bereits auf die Ringstraßen-Zeit in Wien zurück (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts). Das Holz wird als Eschenersatzholzart gesehen – obwohl die Festigkeitswerte tendenziell etwas geringer sind. Zur Erzielung besser Holzqualitäten ist ein nicht allzu schnelles Wachstum von Vorteil.  

Eichen (Quercus spp.)
Die verschiedenen Eichenarten zeichnen sich vor allem durch ihre erhöhte Dauerhaftigkeit und relativ gute Festigkeit aus. Ein sinnvoller Einsatz ist vor allem im Bereich Holzbau, Möbel und Fußböden zu sehen. Generell weisen die unterschiedlichen Eichenarten – mit Ausnahme der Zerreiche – relativ ähnliche Eigenschaften auf. 

Edelkastanie (Castanea sativa)
Die Edelkastanie ist eine Eichen-Ersatzholzart. Die Eigenschaften und somit mögliche Verwendungen sind recht ähnlich. In Italien wurde sie bereits seit langer Zeit als Bauholz genutzt.

Robinie (Robinia pseudoacacia)
Die Robinie ist ein weiterer invasiver Neophyt. Sie weist häufig schlechte Stammformen und somit auch schlechte Holzqualität auf. Jedoch ist die Robinie eine Holzart mit ausgezeichneter Dauerhaftigkeit (in einer Gruppe mit Teak und anderen tropischen Holzarten) und sehr hoher Festigkeit. Eine Nutzung im Bereich des Holzbaues – vor allem bei bewitterten Bauteilen – ist somit angebracht.  

Schwarznuss (Juglans nigra)
Die Schwarznuss ist wie die heimische Variante – die Walnuss – eine sehr gut bearbeitbare Holzart die sich großer Beliebtheit im Möbelbau erfreut. Der Vorteil der Schwarznuss liegt in der einheitlicheren und etwas dunkleren Farbe.   Rotbuche (Fagus sylvatica) Die Rotbuche war auch in der Vergangenheit sehr breit genutzt (siehe oben) – jedoch ohne Spezialisierung. Da das Holz bei Feuchtigkeitsänderung stark quillt oder schwindet, ist es für viele Anwendungen nicht die optimale Wahl. Eine hervorragende Nutzung liegt im Bereich moderner auf Zellulose basierender Fasern.  

Ahorn (Acer spp.)
Der Ahorn ist eine sehr fein bearbeitbare Holzart. Dies wird z.B. auch im Musikinstrumentenbau genutzt. In der Vergangenheit war er oft im Bereich der Küche zu finden – als Kochlöffel oder perfekte Tischplatte. Vor allem die spezielle Wuchsform der Riegelung ist im Möbelbau oft zu finden.  
Birke (Betula pendula)
Die Birke ist eine oft unterschätzte Holzart. Mit hohen Festigkeitswerten und einer guten Möglichkeit der Verklebung kann sie in Zukunft beim Holzleimbau (z.B. Sandwich-Konstruktionen) eine wichtige Rolle spielen. Schon in der Vergangenheit wurde sie für hochbelastete Bauteile (z.B. Pflug) verwendet.  
Pappel (Populus spp.)
Die Pappel wird bereits seit längerer Zeit in Plantagen gezogen. Neben einer Nutzung im Bereich verschiedenster Holzwerkstoffe könnte die Pappel eine Alternative im Bereich der Verpackung sein (wie in der Vergangenheit): Holzsteigerl und Holzwolle sind klassische Pappel-Produkte.
 
Großsträucher
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass das Holz einiger Straucharten hervorragende Eigenschaften oder eine sehr schöne Optik aufweist. So ist z.B. das Holz der Kornelkirsche (Dirndl, Cornus mas) sehr dicht und hoch fest – selbiges würde z.B. als Nischenprodukt im Bereich des Ersatzes von Eschenholz als Werkzeugstiel anwendbar sein. Ein Beispiel sehr ansprechender Farbe und Textur ist der Flieder (Syringa vulgaris) – weißlich mit bräunlichem Kern und violetten Streifen. Natürlich können solche Holzarten auf Grund der Größe und der Verfügbarkeit nur sehr bedingt als Nischenprodukte eingesetzt werden. Jedoch kann man hierbei die positiven Eigenschaften entsprechend ausnutzen.


Autor: Maierhofer
30.06.2020, 16:07 MEZ

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