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Titelfoto_Försterschule 2020.jpg © Maierhofergrößer

HBLA-Bruck/Mur - auf zumindest weitere 120 erfolgreiche Jahre! Alles Gute zum Geburtstag!

von HR Dipl.-Ing. Horst Tauer, Schuldirektor i.R., Bruck an der Mur

Im Jahre 1900 wurde in Bruck an der Mur die höhere Forstlehranstalt für die österreichischen Alpenländer eröffnet. An ihrer Entstehung hat der Steiermärkische Forstverein einen wesentlichen Anteil. Es war dies zweifellos der bedeutendste Meilenstein in der Bildungspolitik dieses traditionsreichen Vereines.

Am 12. Juli 1892 brachte der Präsident des Steiermärkischen Forstvereines , Franz Graf Attems, bei der 10. Generalversammlung des Forstvereines in Cilli nachstehenden Antrag zur Beratung: „Die 10. Generalversammlung des steiermärkischen Forstvereines anerkennt die Notwendigkeit der Errichtung einer forstlichen Mittelschule in den Alpenländern und beantragt den Vereinsausschuss, die einleitenden Schritte sofort zu unternehmen und dieser Angelegenheit unausgesetzt Aufmerksamkeit zuzuwenden.“ Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Als Begündung wurde angeführt, dass es alpenländischen Forstleuten sehr schwer möglich ist, zu einer höheren forstlichen Ausbildung zu gelangen. Forstliche Mittelschulen bestanden damals in Böhmen, Mähren und Galizien. An der Hochschule für Bodenkultur in Wien studierten 1892 nur zwei Hörer aus Steiermark, zwei aus Kärnten und einer aus Krain. Gründe dafür waren das Erfordernis einer Reifeprüfung, die weite Entfernung und die hohen Kosten. Die Folge war ein Mangel an forstlichen Führungskräfte in den österreichischen Alpenländern.
Die Petition des Forstvereines über die Errichtung einer forstlichen Mittelschule wurde im Mai 1893 dem Steirischen Landtag übergeben, der damit den Landes-Ausschuss befasste. Dieser beurteilte den Antrag äußerst positiv und leitete ihn an die k.k Regierung mit der Bitte um Stellungnahme weiter. Auch das k.k. Ackerbau-Ministerium begrüßte diesen Antrag und ersuchte im September 1893 den steiermärkischen Landes-Ausschuss um die Vorlage eines konkreten Projektes.


Zur Vorlage des Schulprojektes ersuchte der Landes-Ausschuss nun den Steiermärkischen Forstverein um die Beantwortung folgender Fragen:

  • In welchem Orte Steiermark wäre diese Anstalt am zweckmäßigsten unterzubringen?

  • Wäre dieselbe als Externat (Unterbringung der Schüler in Privatquartieren) oder Internat zu errichten?

  • Wie viele Jahrgänge und welche Gesamtschülerzahl wären ins Auge zu fassen?

  • Welche Vorbildung ist zu verlangen (Schulbildung, Vorpraxis)?
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    Im Oktober 1895 wurden in einer Forstvereins-Ausschusssitzung die Fragen wie folgt beantwortet:

  • Bruck a. d. Mur wird als geeignetster Ort bezeichnet

  • Für die Lehranstalt sei ein Externat zu empfehlen

  • Der Lehrstoff sei auf 3 Jahrgänge zu erteilen, die Maximalschülerzahl für jeden Jahrgang mit 25 Schülern festgestellt.

  • Sechs Mittelschulklassen, oder 4. Klasse mit gutem Erfolg und Aufnahmsprüfung. Ein Jahr Vorpraxis unter Aufsicht eines geprüften Forstwirtes erscheine wünschenswert.

  • Försterschule 1900.jpg © Maierhofergrößer

    Im Dezember überreichte das Ausschussmitglied Karl Graf Stürgkh dem Landes-Ausschuss das ausführlich begründete Gutachten.des Forstvereines.
    Nachdem im September 1896 die k. k. Statthalterei das Gutachten weitgehend positiv beurteilt hatte, wurde der steiermärkische Forstverein eingeladen ein Detailprogramm auszuarbeiten, welches enthalten sollte: Lehrplan und Organisationsstatut, Lehrpersonal, Institutsgebäude und Kostenvoranschläge für Errichtung und Instandhaltung der Lehranstalt.
    Daraufhin begab sich das Vereinsmitglied Forstmeister Hess mit einem technischen Sachverständigen der Landesregierung in die mährische Forstmittelschule Weißkirchen, um die dortigen Einrichtungen eingehend zu studieren. Die Arbeitsgruppe des Forstvereines stellte nun das Detailprogramm fertig, welches im Jänner 1897 nach Annahme durch den Vereinsausschuss der Landesregierung vorgelegt wurde.
    Inzwischen konnten auch die schwierige Frage der Finanzierung gelöst werden. Das Herzogtum Steiermark erklärt sich zur Errichtung einer Landes-Mittelschule bereit, das k.k. Ackerbauministerium leistet einen erheblichen Beitrag zu den Bau- und Betriebskosten und die Stadtgemeinde Bruck a. d. Mur stellt kostenlos das Baugrundstück für das Schulgebäude sowie einen Teil des Stadtwaldes als Lehrforst zur Verfügung. Im Februar 1898 beschloss der steiermärkische Landtag die Errichtung der forstlichen Mittelschule in Bruck, und am 3. Oktober 1900 wurde die höhere Forstlehranstalt für die österreichischen Alpenländer durch den Landeshauptmann Herrn Edmund Graf Attems feierlich eröffnet.  


    Autor: Maierhofer
    07.10.2020, 10:47 MEZ

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